Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
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Ostafrika,

menschenleeren Buschsteppen ein reiches Tierleben 1^276; 20^. Am häusigsten sind die durstgewohnten, ausdauernden, schnellfüßigen Herdentiere, die viele Meilen weit ohne Anstrengung zur Wasserstelle wandern können: Antilopen, Gnus und Zebras in riesiger Zahl, Giraffen und Strauße nicht selten, der Elefant desgleichen, das Nashorn sehr häufig. (Über die Zugehörigkeit ihrer Arten siehe die Textbeilage zur Tierkarte.) Anfang der 1890er Jahre, zur Zeit der großen Wild- und Rinderseuche, waren die Herden der Huf­tiere furchtbar dezimiert, jetzt aber haben sie sich wieder erholt und schwärmen zu Tausenden.

Bis 1892 wurde das Land von Horden derMassai mit ihren Viehherden durch­zogen und war deshalb von den Karawanen doppelt gemieden. Mit der erwähnten großen Viehseuche aber begann das große Hungern und Sterben der Massai. Sie haben sich von dem schweren Schlag noch nicht wieder erholt. Die überlebenden Horden haben sich nordwärts, meist in englisches Gebiet, zurückgezogen oder sind mit anderen Stammes­splittern am Kilimandjaro in Reservaten untergebracht worden (S. 261), und jetzt streifen nur vereinzelte Massaihirten mit kümmerlichen Herden und armselige kleine Jägerstämme der Wanderobbo durch die Wildnisse von Ost-Massailand.

2. Der Große Ostasrikamsche Graben und West-Massailand.

Ost-Massailand wird im Westen durch den Großen Ost afrikanischen Graben begrenzt. Auf Grund der Teleki-Höhnelschen Reiseresultate hat uns zuerst Eduard Sueß mit dieser tiefen Narbe im Antlitz der Erde bekannt gemacht ^272; 555-534^. Als eine der größten tektonischen Bruchzonen der Erde reicht diese große Grabensenke vom Roten Meer in nahezu meridionaler Richtung durch das ganze nordöstliche Afrika bis weit in unser Schutzgebiet hinein, indem es das Land zwischen unserer ostafrikanischen Meeres­küste und dem Victoriasee mitten durchschneidet. Westwärts, zum Victoriasee hin, reihen sich dem Großen Graben mehrere kleinere Bruchstufen und Grabenbrüche an, unter denen der kleinere Hohenlohegraben, ferner der westlichere, größere Wembäre- Ejassigraben und der Salekgraben im Norden die bemerkenswertesten sind. Zum Teil schneiden sie sich mit dem Großen Ostafrikanischen Graben. Auch die Senken der kleinen Seen Basotu und Balbal scheinen kleinere Gräben zu sein.

Der Große Graben selbst reicht von Norden her als wohlausgebildeter, tief in das Hochland mit parallelen Bruchwänden eingesenkter Grabenbruch in unserem Schutzgebiet nur bis ca. 2^° südl. Br. Schon etwas nördlicher beginnt die Ostwand des Grabens sich in weit auseinanderliegende Stufen aufzulösen und verschwindet in der Nähe des Geleivulkanes bald gänzlich, während die Westwand bis zum Mcmjarafee nordsüdlich weiter­läuft und dann, in die Richtung NNO^ SSW abbiegend und immer niedriger werdend, sich bei 6° südl. Br. verliert W3; 433, 498^. Für diese letzte, nur einseitig ausgebildete Strecke wendet man daher besser nicht mehr die BezeichnungGraben", sondern Große Ost afrikanische Bruch stufe oder Große Massailand-Bruchstufe an. EinfachOst- afrikanische Bruchstufe" besagt zu wenig, denn Bruchstufen gibt es in Ostafrika mehrere, aber nur diese eine ist dieGroße".

Uhlig nimmt an, daß der Große Graben und die Große Bruchstufe nicht durch eine normale Verwerfung, sondern durch eine Überschiebung entstanden sind ^303; 501-503^. Das ist nicht unmöglich, obwohl das Fehlen von jüngeren Faltungen nicht dafür spricht. Aber das Gebiet ist im einzelnen noch zu wenig bekannt, als daß diese