Jahrgang 
Band 87 (2008)
Seite
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Bremen in der »Kleinen Eiszeit«: »... und endigte sich dieses 1700ste als letste Jahr dieses Seculi mit nassen Wetter und sehr tunkelen Tagen«

Von Hartmut Müller

Alle sprechen vom Wetter. Nicht nur, wenn es einmal wieder einen verreg­neten Sommer gab oder das Wochenendwetter nicht arbeitnehmerfreundlich ausgefallen war, wenn es Ostern zu kalt und Weihnachten kein Schnee gefal­len war. Das Wetter hat längst schon einen wichtigen Stellenwert in unserem Alltag eingenommen. Zur persönlichen Wahrnehmung und zum individuel­len Wohl- oder Missbefinden aber ist seit einiger Zeit die Furcht vor einem radikalen Klimawandel getreten:

Erderwärmung, Klimakatastrophe, Ozon, Treibhausgase, Anstieg des Mee­resspiegels. Mit solchen oder ähnlichen Schlagworten warnen Klimaforscher und Umweltpolitiker vor einer globalen Erderwärmung mit katastrophalen Folgen für das künftige Leben auf unserem Erdball.

Extreme Klimaschwankungen hat es in der Geschichte der Menschheit auch früher schon gegeben.

Vor dem Hintergrund der jetzigen Diskussion über die möglichen Folgen einer Erderwärmung für die Menschen scheint es reizvoll, am Beispiel der so genannten »Kleinen Eiszeit« im 17. Jahrhundert einmal der Frage nachzugehen, wie die Menschen in Bremen früher Klimaveränderungen erlebten, wie die Wetterverhältnisse waren, welche Folgen sie für die Menschen hatten, was Wetter für sie bedeutete, wen sie für die damalige Klimakatastrophe verant­wortlich machten.

Die Kleine Eiszeit war eine Zeit relativ kühlen Klimas. Verursacht durch im­mer wieder auftretenden Vulkanismus und damit verbundene Verminderung der Sonnenaktivität, sanken die Temperaturen auf der ganzen Welt vom An­fang des 15. Jahrhunderts bis ins 18. Jahrhundert um mehrere Grad Celsius. Die Auswirkungen der Kleinen Eiszeit gestalteten sich regional unterschied­lich. Auch gab es während der Kleinen Eiszeit erhebliche Klimaschwankungen. Besonders kalt war es zwischen 1570 und 1630 sowie zwischen 1675 und 1715 mit sehr kalten, lang andauernden Wintern und niederschlagsreichen, kühlen Sommern. Der Zeitraum von 1645 bis 1715 gilt mit einem Minimum an Son­nenflecken und entsprechend verminderter Strahlungsintensität der Sonne als der Höhepunkt der Abkühlung innerhalb der Kleinen Eiszeit.

Wir werden sehen, ob dies auch für Bremen während dieser Zeit zu beob­achten ist.

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