Jahrgang 
Band 87 (2008)
Seite
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»Publicität«, »Gemeingeist« und »Beförderung der Cultur«: Johann Smidt und das »Hanseatische Magazin« (1799-1804)

Von Franklin Kopitzsch

Im Jahre 1800 nahm Johann Smidt mit der Wahl in den Bremer Rat seine poli­tische Tätigkeit auf. Zuvor hatte er mit Vorträgen und Vorlesungen sowie seit 1799 mit dem »Hanseatischen Magazin« begonnen, für seine Überzeugungen öffentlich zu werben. Dass Sozietäten und die Presse Mittel der Selbstbildung und der Aufklärung waren, hatte er als Student in Jena erfahren, im Kreis der Literarischen Gesellschaft der freien Männer, in Hamburg, das er im Spät­sommer 1796 besuchte, in der Schweiz, wo er im folgenden Jahr an einer Tagung der Helvetischen Gesellschaft, dem Bund der Aufklärer und Reformer der Eidgenossenschaft, in Aarau teilnahm, und nach seiner Rückkehr in Bre­men in der von Senator Arnold Gerhard Deneken gegründeten Literarischen Gesellschaft wie in der Gesellschaft Museum. 1 Der 1795 in Zürich zum Pre­diger ordinierte Smidt, der 1797 zum Professor der Philosophie am Bremer Gymnasium Illustre ernannt wurde, fand in diesen Vereinigungen ein Forum, um seine politischen Auffassungen, seine Sicht der Reichs- und der Hanse­städte vorzutragen und für Verbesserungen zu werben. Am 23. Februar 1798 sprach er in der Literarischen Gesellschaft über die Kultur der Reichsstädte. »Smidt verschließt seine Augen nicht vor den in den meisten Städten herr­schenden Mißständen, vor der Vetternwirtschaft in den Regierungen, der Scheu vor jeder Neuerung, der Herrschaft des Zunftwesens, das nur die Privatvor­teile der Zunftgenossen und nicht die der Öffentlichkeit suche. Aus jedem Verbesserungsvorschlag höre der Reichsstädter nur heraus: mehr bezahlen. Deswegen sei die Polizei in traurigem Zustande und glichen die Reichsstädte den Wohnungen von Geizhälsen. Smidt wünschte, daß die Städte in regen Verkehr miteinander treten, um wechselseitig Gutes, Nachahmenwertes von­einander zu lernen, um im Wetteifer ihre Kultur zu heben, ihre veralteten Verfassungen zu revidiren.« 2 Im April 1799 erörterte Smidt die angesichts der

1 Wilhelm von Bippen, Johann Smidt ein hanseatischer Staatsmann, Stuttgart, Ber­lin 1921, S. 20-56, zur Gesellschaft der freien Männer Felicitas Marwinski, »Wahr­lich, das Unternehmen ist kühn...« Aus der Geschichte der Literarischen Gesell­schaft der freien Männer von 1794/99 zu Jena, Erlangen 1992, zur Helvetischen Gesellschaft Ulrich Im Hof/Francois de Capitani, Die Helvetische Gesellschaft. Spätaufklärung und Vorrevolution in der Schweiz, 2 Bde., Frauenfeld, Stuttgart 1983, zur Literarischen Gesellschaft und zum Museum in Bremen Rolf Engelsing, Der Bürger als Leser. Lesergeschichte in Deutschland 1500-1800, Stuttgart 1974, S. 259-295, und Andreas Schulz, Vormundschaft und Protektion. Eliten und Bür­ger in Bremen 1750-1880, München 2002, S. 170-236.

2 von Bippen, Smidt (wie Anm. 1), S. 50f., Zitat S. 51.

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