Soll und Haben: Ein wirtschaftsgeschichtlicher Blick auf den Norddeutschen Lloyd (1857-1970)
Von Christian Ostersehlte
Dr. Adolf E. Hofmeister in Dankbarkeit und langjähriger Verbundenheit gewidmet
1. Der Norddeutsche Lloyd und seine Geschäftsberichte
Im Februar 2007 fand ein für die bremische Wirtschaftsgeschichte wichtiges Jubiläum statt: 150 Jahre zuvor, am 20. Februar 1857, wurde der Norddeutsche Lloyd (NDL) unter der maßgeblichen Federführung des bremischen Großkaufmanns H. H. Meier gegründet. Dass über dieses bedeutende Unternehmen bereits viel publiziert worden ist, versteht sich von selbst 1 . Nicht zuletzt in diesem Jahrbuch hat das Thema hin und wieder Aufmerksamkeit
1 Vf. dankt dem Staatsarchiv Bremen, dem Institut für Seeverkehrswirtschaft und -logistik, Bremen, Frau Mechthild Kaczenski vom Archiv der Unterweser Reederei GmbH (URAG), Bremen, sowie den Herren Dr. Dirk J. Peters (Deutsches Schiffahrtsmuseum, Bremerhaven), Harald Focke, Bassum, Dr. Uwe Jens Wandel, Gotha, und Frederik Naumann, Kiel, für freundliche Unterstützung. Die wichtigste Literatur zum NDL in Auswahl: Moritz Lindeman, Der Norddeutsche Lloyd. Geschichte und Handbuch, Bremen 1892; N.N., Norddeutscher Lloyd. Bremen, in: Julius Eckstein (Hrsg.), Historisch-biographische Blätter der Stadt Bremen, Bd. 1, Berlin 1906-1911, S. 57-124; Paul Neubaur, Der Norddeutsche Lloyd (2 Bde.), Leipzig 1907; Wilhelm Langenbeck, Die Geschichte des Norddeutschen Lloyd, Leipzig 1921; Georg Bessell, Norddeutscher Lloyd, Bremen 1957; Hans Jürgen Witthöft, Norddeutscher Lloyd, Herford 1973 (1997 3 ); Arnold Kludas, Die Seeschiffe des Norddeutschen Lloyd (2 Bde.), Herford 1991-1992; Susanne und Klaus Wiborg, Unser Feld ist die Welt. 150 Jahre Hapag-Lloyd, Hamburg 1997. Neben diesen z.T. vom NDL bzw. Hapag-Lloyd direkt geförderten Werken gab die Reederei 1882, 1912, 1917, 1927 und 1937 eigene Festschriften bzw. Beschreibungen heraus.
Zwei wichtige biographische Arbeiten: Friedrich Hardegen und Käthi Smidt, H.H. Meier, der Gründer des Norddeutschen Lloyd, Leipzig 1920; Arnold Petzet, Heinrich Wiegand. Ein Lebensbild, Bremen 1932.
Materialreich und als »Steinbruch« verdienstvoll, doch mit einem chronischen Defizit an Reflexion, Problematisierung, Interpretation sowie kritischer Auswahl des Materials: Edwin Drechsel, Norddeutscher Lloyd Bremen 1857-1970. History- Fleet-Ship Mails (2 Bde.), Vancouver B.C. 1994-1995 und Reinhold Thiel, Die Geschichte des Norddeutschen Lloyd. (5 Bde.), Bremen 2001-2006. Wichtige handelsgeschichtliche Arbeiten: Ludwig Beutin, Bremen und Amerika. Zur Geschichte der Weltwirtschaft und der Beziehungen Deutschlands zu den
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