Baugeschichtliche Befunde zum St. Petri Dom aus dem Bautagebuch von Ernst Ehrhardt 1899-1900
Von Hans-Christoph Hoffmann
In den Jahren 1888-1901 wurde der Bremer St. Petri Dom einer durchgreifenden Restaurierung unterzogen, die ihm im Innern und Äußern seine heutige Gestalt gab. Die damals ergriffenen denkmalpflegerischen Maßnahmen an Bremens größtem Baudenkmal sind nicht unumstritten und seither vielfach auch Gegenstand kritischer Auseinandersetzung gewesen 1 . Schriftliche Quellen, die neben dem unmittelbaren Baubefund selbst über die ergriffenen Maßnahmen und über die Beweggründe der Beteiligten authentische Auskunft geben können, sind daher von hohem Wert.
Zu diesen Quellen zählt das Bautagebuch des Dombaumeisters Ernst Ehrhardt, der im Frühjahr 1897 die Nachfolge von Max Salzmann angetreten hatte. Für die Schlussphase der Domrestaurierung sind in ihm besonders die baugeschichtlichen Befunde, die im Verlauf der inneren Gestaltung und Ausmalung zutage traten, von Bedeutung. Der nachfolgende Ausschnitt aus diesem Bautagebuch enthält im Wesentlichen nur die Passagen zu den farblichen Befunden, weil nur sie für das abschließende Baugeschehen und für die Veränderung des Inneren des Domes relevant sind.
Dieses Bautagebuch, das nicht regelmäßig geführt wurde, besteht aus 53 fast durchweg vor- und rückseitig beschriebenen, linierten, aber nicht num- merierten Blättern im Kanzleiformat mit eingestreuten Skizzen. Die Blätter lv bis 4v von November 1894 bis Juli 1896 wurden noch von Max Salzmann geschrieben und beschreiben die Anfänge der Arbeiten für den Vierungsturm. Auf Blatt 4v und 4r fasste Ehrhardt in einer von der eigenen Person abgehobenen Form und als knappes, nachträglich eingefügtes Resümee das Geschehen zwischen Februar 1897, dem Monat als Salzmann gestorben war, und April, dem Dienstantritt von Ehrhardt, zusammen. Seine eigenen Eintragungen beginnen mit dem 1. April 1897 auf Blatt 4r. Wenn auch das Tagebuch nicht regelmäßig geführt wurde, so gewinnt der, der auch die entsprechenden Akten kennt, den Eindruck, dass alle Bauvorgänge bis Ende August 1901 (Blatt 49r) festgehalten sind. Stellenweise ist Ehrhardt allerdings so vorgegangen, dass er Arbeitsabschnitte, die sich über einen längeren Zeitraum parallel zu anderen Arbeiten erstreckt haben, zusammenfasste. Dies ist etwa
1 Vgl. hierzu zuletzt Georg Skalecki (Hrsg.), Denkmalpflege in Bremen (Schriftenreihe des Landesamtes für Denkmalpflege) Heft 3, Bremen 2006, mit Beiträgen von Margarethe Haberecht, Georg Skalecki und Hans-Christoph Hoffmann zur Domrestaurierung.
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