Jahrgang 
Band 85 (2006)
Seite
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»Den kleinen Leidenden eine angemessene Hülfe« - Das Bremer Kinderkrankenhaus als bürgerliche Initiative eines wohltätigen Vereins

Von Sylvelin Wissmann

Der im Jahre 1846 konstituierte Verein zur Gründung und Unterhaltung einer Anstalt für die Heilung kranker Kinder 1 erfüllte die in seinem Namen formu­lierte Aufgabe bis zum Jahre 1921, als seine finanziellen Möglichkeiten den erhöhten Anforderungen schon seit längerem nicht mehr entsprechen konn­ten. Sein Kinderkrankenhaus übergab er in diesem Jahr dem Bremer Staat, und es besteht bis heute als Professor-Hess-Kinderklinik auf dem Gelände der ehemals Allgemeinen Krankenanstalt (später Zentralkrankenhaus Sankt - Jürgen-Straße, heute Klinikum Bremen Mitte). Die 1902 zusätzlich etablierte Erholungseinrichtung für Kinder »Holdheim« führte der Verein noch bis 1937 weiter; er selbst bestand in dieser reduzierten Zielsetzung bis in die 1950er Jahre.

Dieser Verein ist ein Beispiel für private wohltätige, aber auch mäzenatische Initiativen des Bürgertums, wie sie im 19. Jahrhundert zahlreich entstanden, um aufgrund erkannten Bedarfs einen sozialen oder kulturellen Zweck zu erfüllen oder eine entsprechende Einrichtung zu schaffen. Zudem ist das Gelingen seines Unternehmens ein Beispiel für die damalige Idealvorstel­lung eines »Zusammenwirkens der Kräfte«: Senatorische Genehmigung, pri­vates und privatwirtschaftliches Engagement sowie nicht zuletzt medizini­sche Fachkompetenz vereinten sich quasi als bürgerliches Kollektiv in einem noch fast gleichwertigen Arbeitszusammenhang zur pragmatischen und effi­zienten Handhabung der Behandlung kranker Kinder der minderbemittelten Bremer Bürger.

Leiden der Kinder begann man damals erst als besondere wahrzunehmen; wir befinden uns in der Zeit vor einer Spezialisierung der Ärzte, etwa auf Kinderheilkunde. 2 Auch waren weder die Erreger kontagiöser Krankheiten entdeckt, die insbesondere Kinder befielen, noch deren gezielte Bekämpfung möglich, weder die Bakteriologie, noch eine effektive Pharmakotherapie existierten. 3 In Bremen stand man sogar noch vor der Einrichtung eines

1 Im Folgenden und entsprechend dem damaligen Sprachgebrauch: Verein für das Kinderkrankenhaus.

2 Zu ersten Wahrnehmungsansätzen vgl. die Rubrik »Krankheiten nach den Ge­schlechterverhältnissen und nach den verschiedenen Lebensperioden«, in: Syste­matisches Verzeichnis sämmtlicher Bücher der Bibliothek des Aerztlichen Vereins zu Bremen, Bremen 1849, S. 75, mit immerhin fünf Veröffentlichungen zu Kinder­krankheiten.

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