Jahrgang 
Band 85 (2006)
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Reichs-, Departements- und Gemeindestraßen für die nächsten zwei Jahrzehnte - Der Beginn der »Mise en valeur« im Wesermündungendepartement 1812

Von Helmut Stubbe da Luz

Via est vita.

»In Frankreich und in Deutschland wurde schon infolge der gänzlich verschiedenen politischen und wirtschaftlichen Entwicklung die Angelegenheit ausgedehnterer Verkehrswege verschieden gefördert (Zentralisation und einheitlicher Staatsgedanke in Frankreich; Territorialbestrebungen, kleinstaatliche Engherzigkeit und Mittellosigkeit in Deutschland).«

Wilhelm Götz, 1888 1

Kaum hatte das 1° Corps der Grande Armee, unter dem Befehl des Marschalls und Generalgouverneurs der Hanseatischen Departements Davout befindlich, im Frühjahr 1812 seinen Ende 1810 in Norddeutschland durch Napoleon ge­schaffenen Bereitstellungsraum nach Osten hin verlassen und Elbe und Oder überquert, da schlug die Stunde der französischen Ziviladministratoren. Die Präfekten und Unterpräfekten, die Chef (steuer)einnehmer und Chefingenieure des Verkehrswesens waren aber gehalten und bis zu einem gewissen Grade auch darauf angewiesen, die diversen regionalen Gremien auf der Ebene der Kommunen und Kreise (Arrondissements) in die anstehenden Planungen und Entscheidungen einzubeziehen. Diese Gremien, Munizipalräte, Arrondisse­ments- und Generalräte (auf der Ebene des Departements), zusätzlich noch die Präfekturräte, waren zu hundert Prozent mit einheimischen »Notabein« besetzt. Dies waren Honoratioren, die sich aus dem Kreis der Höchstbesteuerten re­krutierten und von den Maires (den gleichfalls einheimischen Bürgermeistern

1 Wilhelm Götz, Die Verkehrswege im Dienste des Welthandels. Eine historisch­geographische Untersuchung samt einer Einleitung für eine »Wissenschaft von den geographischen Entfernungen«, Stuttgart 1888, S. 719. - Für die übergreifenden Zusammenhänge Helmut Stubbe da Luz, »Franzosenzeit« in Norddeutschland. Napoleons Hanseatische Departements, Bremen 2003; ders., Okkupanten und Okkupierte. Napoleons Statthalterregimes in den Hansestädten, bisher 3 Bde., München 2004-2006; zur selben Thematik im benachbarten Oberemsdeparte­ment ders., Pariser Straßenbaupolitik im Oberemsdepartement, 1812. Der Osna­brücker Generalsekretär Heuberger und die napoleonischen Gremien, in: Osna­brücker Mitteilungen, 110. Jg. (2005), S. 119-143.

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