Bremens Handel mit Shanghai von den Anfängen bis 1867
Von Heiko Herold
Von der Öffnung Shanghais bis zum Ende des Zweiten Opiumkrieges
Neben Canton, das bis zum Vertragsschluss von Nanking im Jahre 1842 der einzige für den Außenhandel geöffnete Hafen Chinas war, erlangte von den neuen Vertragshäfen 1 vor allem das bis dahin unbedeutende Shanghai in der Provinz Kiangsu eine bedeutungsvolle Stellung im europäischen und amerikanischen Chinahandel. Shanghai, Hongkong und Macao wurden für die westlichen Staaten in den 1850er Jahren die wichtigsten Handelsplätze an der chinesischen Küste 2 , auch für Bremen. Im fruchtbaren und schon damals verhältnismäßig dicht besiedelten Jangtsedelta gelegen, am Zusammenfluss von Hwangpoo und Wusong, welche die Stadt mit dem Jangtse und dem Kaiserkanal verbinden, waren die Schifffahrtsverbindungen ins Landesinnere hier am günstigsten verglichen mit den anderen geöffneten Häfen 3 . Außerdem begünstigte die zentrale Lage der Stadt an der ostchinesischen Küste ihren Aufstieg zur Handelsmetropole, sowohl für den Außen- als auch den Binnenhandel, vor allem durch den zunehmenden Küstenverkehr ab Mitte der 1850er Jahre. Shanghais große Blütezeit aber begann erst mit der Öffnung verschiedener Jangtsehäfen für den Außenhandel nach dem Zweiten Opiumkrieg. 4 Von Anfang an folgte die gesamte »wirtschaftliche Entwicklung
1 Gemeint sind Shanghai, Fuhchau, Amoy und Ningpo.
2 Zwar beeinträchtigten die Auswirkungen des Taiping-Aufstandes Shanghais Handelsentwicklung, Canton wurde aber durch diesen Bürgerkrieg und den Zweiten Opiumkrieg wesentlich härter getroffen und konnte sich davon nicht wieder erholen. Hongkong und Macao, die nicht vom Taiping-Aufstand betroffen waren, profitierten vom Niedergang Cantons zunächst am meisten. Shanghais gewaltiger Boom setzte erst in den 1860er Jahren ein. Vgl. HKB Hb II 83, Bd. 3 (Handschriftlicher 62-seitiger Bericht »Allgemeines über den Betrieb des ausländischen Handels in China« von Focke aus dem Jahre 1874, S. 1 ff.); Bernd Eberstein, Hamburg-China. Geschichte einer Partnerschaft, Hamburg 1988, S. 76 f.; Hermann Wätjen, Die deutsche Handelsschiffahrt in chinesischen Gewässern um die Mitte des 19. Jahrhunderts, in: Hansische Geschichtsblätter, 67./68. Jg. (1942/43), S. 222-250, hier S. 227-235; siehe auch: Jürgen Osterhammel, China und die Weltgesellschaft. Vom 18. Jahrhundert bis in unsere Zeit, München 1989, S. 151 u. 479.
3 Berichte über Chinesische Handels-Verhältnisse, hrsg. v. Königlich Dänisches Ministerium, Hamburg 1865, S. 10.
4 Marie-Claire Bergere, Histoire de Shanghai, Paris 2002, S. 28-35; Adalbert Korff, Der direkte deutsch-chinesische Schiffahrtsverkehr von seiner Entstehung bis
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