Die Anfänge der konsularischen Vertretung Bremens
in Shanghai
Von Heiko Herold
Bereits unmittelbar nach der Öffnung Chinas durch die Verträge von Nanking (1842) und Hoomunchai (1843) im Zuge des Ersten Opiumkrieges forderten verschiedene deutsche Kaufleute und Handelskammern ihre Regierungen auf, den deutschen Anteil am Chinahandel zu sichern, am Besten durch den Abschluss eines Handelsvertrages. Diese Forderungen erreichten zumindest, dass sich einige deutsche Staaten nach den Handelsverhältnissen in China erkundigten, allen voran Hamburg und Preußen. Bremen hielt sich zunächst zurück. Während die Hamburger Commerz-Deputation den in Macao ansässigen Kaufmann Theodor Johns beauftragte (1845), über die Behandlung hamburgischer und anderer deutscher Schiffe zu berichten und einzuschätzen, ob der Abschluss eines Handelsvertrages notwendig sei, entsandte Preußen den Düsseldorfer Kommerzienrat Friedrich Wilhelm Grube nach China (1843/44), der sich in erster Linie mit den »politischen Behörden in Mitteilung zu setzen und die Errichtung von Konsulaten in den dortigen Häfen vorzubereiten« sowie »sich über die dortigen Zoll- und Schiffahrtsverhältnisse zu unterrichten« 1 hatte. Johns berichtete im Dezember 1845 nach Hamburg, dass »ebenso wenig Nothwendigkeit besteht für einen Vertrag von Seiten Hamburg's oder Deutschlands« 2 wie schon für Frankreich oder die Vereinigten Staaten, weil die im Vertrag von Nanking garantierte Gleichbehandlung aller Nationen eingehalten würde und der hamburgische Handel mit China noch viel zu gering sei. Grube kam zu ähnlichen Ergebnissen für Preußen, im Gegensatz zu Johns aber schätzte er die Chancen für deutsche Produkte und damit für den deutschen Handel in China als relativ schlecht ein. 3
Noch zögerte man deshalb in den deutschen Staaten, eigene Konsuln in den Vertragshäfen zu ernennen 4 oder gar einen Handelsvertrag mit China
1 Zit. nach: Udo Ratenhof: Die Chinapolitik des deutschen Reiches 1871-1945. Wirtschaft - Rüstung - Militär, Boppard am Rhein 1987, S. 29.
2 CHH Consulats-Berichte 1846 (der Bericht ist unter »Canton« abgeheftet).
3 Karin Bartsch: Hamburgs Handelsbeziehungen mit China und Britisch-Ostindien (1842-1867), (Diss.) Hamburg 1956, S. 30-36; Bernd Eberstein: Hamburg-China. Geschichte einer Partnerschaft, Hamburg 1988, S. 113; Heiko Herold: Deutsche Kolonial- und Wirtschaftspolitik in China 1840 bis 1914. Unter besonderer Berücksichtigung der Marinekolonie Kiautschou, Köln 2004, S. 10 f.; Ratenhof (wie Anm. 1), S. 29 f.; Helmuth Stoecker: Deutschland und China im 19. Jahrhundert. Das Eindringen des deutschen Kapitalismus, Berlin 1958, S. 40-43.
4 Zwar hatten einige deutsche Staaten schon vor dem Ersten Opiumkrieg Konsuln in China ernannt, die aber nur eine untergeordnete Rolle spielten, der deutsche
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