Jahrgang 
Band 82 (2003)
Seite
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»In unserer Erinnerung leben sie weiter«

Zur Quellenbasis für ein neues »Gedenkbuch« der verfolgten Bremer Juden Von Günther Rohdenburg

Angeregt durch die nach 1989 möglich und notwendig gewordene Neubearbeitung des »Gedenkbuches« 1 , durch Bestrebungen, im Zusammenhang mit der Zuord­nung von Versicherungspolicen eine Liste jüdischer Bewohner während der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu erstellen sowie durch Versuche, die Deportationen der Juden von Bremen aus vollständig auch zahlenmäßig zu erfassen 2 sind im Staatsarchiv Bremen die Bemühungen intensiviert worden, eine überarbeitete und dem aktuellen Forschungsstand entsprechende Liste der von den Nationalsozialisten verfolgten Bremer Juden zu erstellen. 3 Diese vollständige und lückenlose Übersicht über alle Personen zu erstellen, die wegen ihrer Zugehö­rigkeit zum Judentum im Verlauf der zwölf Jahre nationalsozialistischer Herrschaft verfolgt oder drangsaliert wurden, erweist sich jedoch als deutlich schwieriger und problematischer als zunächst vermutet. Dazu gehört auch die Schwierigkeit, im Nachhinein das Entstehen selbst jüngerer Listen zu rekonstruieren. So ist z.B. die 1983 von Regina Bruss publizierte und seitdem als allgemein gültig angese­hene Liste, die 1552 Namen enthält 4 , in ihrer Entstehung unklar. Die Autorin gibt an, eine handschriftliche Liste des Einwohnermeldeamtes gehabt zu haben, die

1 Gedenkbuch. Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherr­schaft in Deutschland 1933-1945. Koblenz 1986. Das Gedenkbuch enthält die Namen und Grunddaten von 128.136 aus dem Reichsgebiet während der NS-Zeit deportierten und umge­kommenen deutschen Juden. - Das Bundesministerium des Innern beauftragte im Februar 1991 das Bundesarchiv mit der Neubearbeitung. Die Initiative für das vorliegende Gedenkbuch ging im Juli 1960 von »Yad Washem« aus. (Vgl. den Schriftwechsel in StAB 7,500-162).

2 Bemühungen des Autors im Rahmen einer Vortragsreihe des Arbeitskreises Geschichte der Juden der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen zu den Depor­tationen aus Norddeutschland, auch die Deportationen von Bremen aus vollständig und zahlenmäßig korrekt zu erfassen (Vgl. Günther Rohdenburg: Die Deportationen von Juden aus Bremen. Ergebnisse, Möglichkeiten und Grenzen der Recherche aus bremischer Sicht, http:/Avww.archivpaedagogen.de/bremen/lingen.pdf.).

3 Nach dem Erscheinen des »Gedenkbuches« 1986 haben viele große und kleinere Städte (z.B. Düsseldorf 1988, Hamburg, Köln und Berlin 1995, Detmold und Erlangen 2001) eigene Gedenkbücher herausgebracht. Vielleicht gelingt es auf der Basis der jetzt vor­liegenden Daten, auch für Bremen bald einen entsprechenden Band herauszugeben.

4 Regina Bruss: Die Bremer Juden unter dem Nationalsozialismus. Bremen 1983 (VStAB Bd. 49), S. 267ff. In die Zusammenstellung sind »alle Personen aufgenommen, die wegen ihrer Zugehörigkeit zum Judentum im Verlauf der zwölf Jahre nationalsozialistischer Herrschaft von den Behörden Bremens (ohne die damals preußischen Gebiete) erfasst wurden, darüberhinaus alle, die nachweislich zwischen dem 30. Januar 1933 und den letzten Tagen des Dritten Reiches hier gelebt haben«.

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