Die Entschädigung der Verfolgten des Nationalsozialismus im Spiegel der überlieferten Einzelfallakten
Von Bettina Schleier
Der Aktenbestand, seine Entstehung und Behandlung im Archiv 1
Am 18. Mai 1945, kurz nach dem Ende der Kampfhandlungen, beschloss der Bremer Senat, eine Konzentrationslager-Betreuungsstelle einzurichten 2 . Diese Einrichtung und die gleichzeitig entstandene KL-Betreuungsstelle 3 Bremerhaven legten Akten über die von ihnen betreuten Verfolgten des Nationalsozialismus an. War die Betreuungsstelle zunächst dem Ressortbereich Wohlfahrt zugeordnet, ging sie 1948 als Amt für Wiedergutmachung in den Geschäftsbereich des Senators für f nneres über 4 . 1950 wurde die Entschädigung der Opfer des Nationalsozialismus dem Landesamt für Wiedergutmachung übertragen und dieses dem Senator für Arbeit unterstellt, das Landesamt unterhielt damals Außenstellen in Bremerhaven und Bremen-Nord. 1970 endete die Selbständigkeit des Amts, seitdem werden die noch verbliebenen Aufgaben beim Senator für Arbeit wahrgenommen.
Bereits 1973 übernahm das Staatsarchiv einen größeren Bestand an Einzelfallakten aus dem Landesamt für Wiedergutmachung, da diese wegen ihrer großen Anzahl dort nicht mehr untergebracht werden konnten 5 . Mit dem wachsenden f nteresse der Forschung am Thema Widerstand und Verfolgung wurden die Akten zunächst archivintern bekannt und benutzt, 1984 wurde der bis dahin als Depositum geführte Bestand formell als Archivgut übernommen. Die Findkarteien zu den Akten verblieben jedoch bei der Behörde, so dass nur mit deren Hilfe die Akten aufgesucht und benutzt werden konnten. Das Staatsarchiv verfügte nicht über ein Verzeichnis des Aktenbestands. Erst in den 1990er-Jahren ging die Häufigkeit von Rückgriffen auf die Akten spürbar zurück, immer weniger Mitarbeiter waren beim Senator für Arbeit in diesem Arbeitsfeld verblieben, die Zahl der dort betreuten Verfolgten ging 50 Jahre nach Beginn der Wiedergutmachung immer mehr zurück. Die Akten wurden zunehmend geschlossen und dann an das
1 Die vorgelegten Ergebnisse stammen aus der archivischen Alltagsarbeit. Außer der Sachbearbeiterin konnte weiteres Personal des Archivs für diesen Arbeitsschwerpunkt eingesetzt werden; für die Unterstützung danke ich dem zuständigen Abteilungsleiter, später kommissarisch Leiter des Staatsarchivs, Adolf E. Hofmeister, dem ich diesen Beitrag widme.
2 Senatsprotokoll vom 18.5.1945, in: StAB, 3/3, 1941-1945.
3 Die Abkürzung KL für das Wort Konzentrationslager war bis weit in die 1950er-Jahre hinein gebräuchlicher als KZ.
4 Zur Organisation der Behörde s. StAB, 3-R.l.m. Nr. 33 [86].
5 S. dazu die Dienstregistratur des Staatsarchivs, 258-741-23.
224