Jahrgang 
Band 82 (2003)
Seite
187
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Denkmalsphantasien des Bremer Malers und Zeichners Otto Bollhagen für den Bürgerpark 1898

Von Herbert Schwarzwälder

Als im Frühjahr 1898 für den Bremer Frauen-Erwerbs- und Ausbildungsverein im Künstlervereinsgebäude an der Domsheide ein Bazar organisiert wurde, um den Kauf eines Hauses in der Pelzerstraße finanziell abzusichern, 1 da beteiligte sich auch der Maler und Zeichner Otto Bollhagen 2 mit einigen künstlerischen Beiträgen. Er zeichnete eine Speisekarte für die »Restauration zum Priamos« im Raum »Troja« 1 und zwei Postkarten mit der Göttin Luna, die in der Abteilung »Jahrmarkt auf dem Mond« verkauft wurden 4 ; zudem malte er einen Fries, u.a. mit fröhlichen Biertrinkern im »Reich des Gambrinus« 5 . Besonders auffallend aber war ein Zyklus von 13 Bildern, die von Bollhagen mit Feder und Pinsel gezeichnet wurden und sich auf einen fiktiven Denkmalspark am Hollersee im Bürgerpark bezogen 6 . Sie wurden mittels einer »Camera Obscura« in einem Raum des oberen Stockwerks und einer benachbarten Schreibstube gezeigt, wo Otto Bollhagen und seine Frau Lina geb. Dierßen die Aufsicht hatten.

Otto Bollhagen - Raumgestalter und Schöpfer von Kleinbildern

Wer war nun dieser Otto Bollhagen, dessen Name sich bis heute in einem Malerbe­trieb erhalten hat? Er wurde 1861 geboren, stammte aus Mecklenburg-Strelitz und wurde als »Stubenmaler« ausgebildet; doch besuchte er während seiner Berliner Jahre (1879-83) Mal- und Zeichenkurse. Er war dann seit 1886 in Bremen, wo er zunächst im Malergeschäft von A. J. Neumark in der Birkenstraße als Malergeselle angestellt war; bald wurde ihm dort die künstlerische Leitung übertragen. Sein Jahresgehalt von 4000 Mark war etwa doppelt so hoch wie das eines Malerge­sellen. Er wohnte zur Miete in einem ansehnlichen Haus (Bornstraße Nr. 53), das dem Import- und Versicherungskaufmann Robert Hinrichs, Teilhaber der

1 Herbert Schwarzwälder, Der Bazar des Frauen-Erwerbs- und Ausbildungs-Vereins 1898 unter dem Motto »Freimarkt 1950«, in: Feste und Bräuche in Bremen (Jahrbuch der Wittheit von Bremen 1999/2000), S. 190-209.

2 Lars U. Scholl, Der Industriemaler Otto Bollhagen 1861-1924, Herford 1992.

3 Abgebildet bei Schwarzwälder (wie Anm.l), S. 202.

4 Eine der Postkarten ist abgebildet in: Schwarzwälder (wie Anm. 1), S. 192.

5 Undeutlich erkennbar auf einem Foto des Bayerischen Bierkellers im Reich des Gam­brinus, in: Schwarzwälder (wie Anm. 1), S. 203; vgl. a. die Postkarte mit Gambrinus auf dem Bierfaß.

6 Die Orginale der 13 Bilder befinden sich in einem Text- und Bildband über den Bazar in Privatbesitz.

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