Der Vegesacker Hafen - Ein Teil des frühneuzeitlichen Bremer Hafensystems
Von Ulrich Weidinger
Mit der Gründung des Vegesacker Hafens im Jahre 1618 zog erstmals seemännisch-nautisches Flair in dem kleinen Ort an der Aue- resp. Lesummündung ein, dessen wenige Bewohner bis dahin ihren Lebensunterhalt fast ausnahmslos mit landwirtschaftlich-bäuerlicher Tätigkeit - die meisten Bewohner waren Meier der von Schönebeckschen bzw. Stedingschen Gutsherrschaft 1 - fristeten. Etwa 200 Jahre währte die von Höhen und Tiefen gleichermaßen gekennzeichnete Blütezeit des Vegesacker Hafens, bis die Gründung Bremerhavens im Jahre 1827 dem kleinen bremischen Hafen ziemlich abrupt die Existenzgrundlage entzog. Doch war der 1827 eingeleitete Bedeutungsverlust des Hafens nicht gleichbedeutend mit dem Ende der maritim geprägten Epoche Vegesacks. Gleichzeitig mit dem Niedergang des Hafens entwickelten sich Vegesack und seine nähere Umgebung, ausgehend von der gleichsam im Kielwasser des Hafens prosperierenden Langewerft, zu einem überregionalen, weit ausstrahlenden Schiffbauzentrum, sodass das Schifffahrtswesen auch weiterhin seinen prägenden Einfluss auf den Ort und seine Bewohner ausübte 2 . Der maritime Charakter des Ortes gewann zudem auch noch dadurch an Profil, dass Vegesack sich im Verlauf des 19. Jahrhunderts als Wohnort bremischer Schiffskapitäne zunehmender Beliebtheit erfreute, die sich hier, nicht zuletzt bedingt durch die strengen bremischen Bürgerrechtsbestimmungen, die den unter bremischer Flagge fahrenden Seeschiffern einen Wohnort im Bremer Staatsgebiet verbindlich vorschrieben, in unmittelbarer Wesernähe häuslich niederließen 3 . Von dieser durch den Hafenbau 1619-1622 begründeten, im 19. Jahrhundert dann durch namhafte Werften und seemännische Bevölkerungsstruktur weitergeführten maritimen Tradition, die für den Ort und seine Bewohner identitätsstiftend war und ist, zehrt Vegesack in gewisser Weise bis auf den heutigen Tag.
Als die Bremer Ratsherren im Frühsommer 1618 ihr Placet zur Gründung des neuen Hafens an der Auemündung gaben und die beiden holländischen Was-
1 Vgl. StAB 6,1 - S. 29, passim.
2 Zum Fluss- und Seeschiffbau in der Vegesacker Region vgl. R-M. Pawlik, Von der Weser in die Welt. Die Geschichte der Segelschiffe von Weser und Lesum und ihrer Bauwerften 1770 bis 1893, Hamburg 1993.
3 Vgl. dazu Th. Begerow, Vegesack als Rekrutierungsmagnet bremischer Segelschiffskapitäne, in: H. Gerstenberger, U. Welke (Hrsg.), Zur See? Maritime Gewerbe an den Küsten von Nord- und Ostsee, Münster 1999, S. 91-106; ders., Zur Sozialstruktur und sozialen Mobilität der seelahrenden Bevölkerung im späten 18. und 19. Jahrhundert am Beispiel des bremischen Hafenortes Vegesack, Magisterarbeit FU Berlin 1997.
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