Mittelalterliche Spuren der Verehrung des heiligen Theobald zwischen Elbe und Weser
Von Andreas Röpcke
»Von den Hansestädten nach Santiago: Die große Wallfahrt des Mittelalters« ist ein Aufsatz überschrieben, den 1972 Bodo Heyne dem Band des Bremischen Jahrbuches beigesteuert hat, der Friedrich Prüser zum 80. Geburtstag zugeeignet war. 1 Er behandelt die Pilgerfahrten nach Santiago de Compostela und die Jaco- bus-Verehrung insbesondere am Bremer Beispiel. In der Tat ist die Präsenz des Jacobus in Bremen auffällig: neben einer Jacobikirche gab und gibt es öffentliche Standbilder des Pilgerheiligen, zwei Bruderschaften, die sich in gewandelter Form bis in die Gegenwart erhalten haben und einen Brunnen, der sich der Aufmerksamkeit Bremen-Reisender vergangener Jahrhunderte erfreuen konnte. 2 Keine Frage, man fühlte sich in Bremen Jacobus verbunden: als der mit Hilfe des Erzbischofs unternommene innerstädtische Umsturz 1366 nach wenigen Wochen gescheitert und der alte Rat wieder im Amt war, gelobte er zum Dank die jährliche Absendung eines Pilgers nach Santiago - eine Verpflichtung, die allerdings bereits 1369 in eine Stiftung umgewandelt wurde. 3
Nun war Santiago nicht der einzige Wallfahrtsort, der von den Hansestädten aus aufgesucht wurde - es gab nah und fern eine ganze Reihe, darunter einige von größerer Bedeutung. Zu diesen gehörte im 15. Jahrhundert zweifellos das elsässische Thann, das in den Quellen öfters im Zusammenhang mit Aachen und dem Marienwallfahrtsort Einsiedeln in der Schweiz genannt wird, so ausdrücklich in dem 1419 (und öfter) ausgesprochenen Verbot des Wismarer Rates, diese Wallfahrten ohne Genehmigung zu unternehmen. 4 Als nach innerstädtischen Unruhen in Wismar 1430 Sühnewallfahrten beschlossen wurden, schickte man einen Pilger nach Thann, einen nach Rom und einen nach Santiago. 5 Untersuchungen von Lübecker Bürgertestamenten haben ergeben, dass Thann sogar häufiger als Santiago als Ziel für eine Pilgerreise genannt wird. 6 In Hamburg, wo die Theobald-Verehrung durch eine kleine SpezialStudie Nirrnheims mustergültig
1 Brem. Jb. 52, 1972, S. 65-84.
2 Herbert Schwarzwälder, Der St.-Jakobi-Brunnen in Bremen, in: Brem. Jb. 60/61, 1982/83, S. 195-201.
3 Brem. UB III, Nr. 359 u. 376.
4 F. Techen, Der Nothelfer St. Theobald (Ewald), in: Meckl. Jb. 60, 1895, S. 169-178, hier S. 177.
5 Techen (wie Anm. 4), S. 175.
6 Norbert Ohler, Zur Seligkeit und zum Tröste meiner Seele. Lübecker unterwegs zu mittelalterlichen Wallfahrtsstätten, in: Zeitschrift des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde 63, 1983, S. 83-103.
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