Bremen und die Türken zur Zeit des Osmanischen Reiches
Von Hartmut Müller
»Zwischen den Staaten und Unterthanen der Hohen Pforte und den Hanseatischen Republiken, Bürgern und Einwohnern, soll fortan immerwährende Freundschaft bestehen.«
Artikel 1 des Freundschafts,- Handels- und Schiffahrtsvertrags zwischen den Hansestädten und der Hohen Pforte vom Jahre 1839.
Te Deum Laudamus
»Am 16. Septembris, sonntags post Trinitatis, wurde in allen bremischen Kirchen der allerhöchste Gott hertzlich gedanket für daß am 12. Septembris die Stadt Wien in Österreich glücklich entsetzet und von der Türkischen überaus harten Belagerung aller gnädigst befreyet worden. Nach beyden Predigten wurde jedesmahl das Te Deum Laudamus von zweyen Choren gesungen und dabey musiciret«; in Bremen gedachten 1683 die Gläubigen - wie Peter Koster in seiner Bremer Chronik berichtet - der Befreiung Wiens von türkischer Belagerung, die die Menschen in der ganzen sogenannten Christenheit lange in Atem gehalten hatte 1 .
Endlich schien der »Erbfeind des Christlichen Nahmen, derTürcke und sein blutgieriger Anhang«, gegen den in den bremischen Kirchen in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder öffentlich zum Gebet aufgerufen worden war besiegt 2 . »Zerbrich den Kopff des Türckischen Drachen und beschirme dein Volck. Gieb demselben Hertz und Muth, Krafft und Stärcke, wieder ihre Feinde zustreiten«, hatten Männer und Frauen »in den öffentlichen Predigt- und Bättstunden« zwischen St.Stephani und Unser Lieben Frauen gefleht, und Gott schien ihre Gebete erhört zu haben.
Von den Türken selbst werden die Bremer allerdings im ausgehenden 17. Jahrhundert kaum mehr als eine nur vage Vorstellung gehabt haben. Den meisten von ihnen fehlte die sinnliche und dingliche Begegnung mit ihnen.
»Der Inwohner dieses Kayserthumbs, nemlich der Türcken, gedenkt Mela in seinem ersten Buch und Plinius im siebenden Capittel seines sechsten Buches. Und ist kein Zweyffel, es haben diejenig, welche itz undt so grosse und gewaltige Länder beherrschen und wegen eygenen Trägheit so hoch gestiegen, von denselbigen ihren Ursprung und Nahmen. Posterius ist der
1 2-P.l. Nr. 241 fol. 335. Diese und alle weiteren hier genannten Quellen befinden sich, wenn nicht anders angegeben, im Staatsarchiv Bremen.
2 Vgl. u.a. ein entsprechendes Gebet in 2-adT.2.o. und Abb. 1.
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