Geowissenschaftliche Erkenntnisse über den Untergrund Bremerhavens in ihrer wirtschaftlichen Bedeutung*
Dem Amt für Bodenforschung Bremen zum 100jährigen Bestehen gewidmet
Von Dieter Ortlam
1. Einleitung
Die Besiedelung einer Landschaft wird auch entscheidend von den Untergrund- und Bodenverhältnissen geprägt, wie dies in Bremen beispielhaft aufgezeigt werden konnte 1 . Der Raum Bremerhaven ist ebenfalls von den gegensätzlichen Landschaften von Marsch und Geest bestimmt (Erstdefinition nach Focke 2 ) und bezeugt die ersten bronzezeitlichen Ansiedlungen im (trockenen) Geestbereich. In diesen höher gelegenen Gebieten sind auch größere Grund- wasserflurabstände zu verzeichnen, die eine Besiedelung ohne Überflutungsund Vernässungsgefahr auf Dauer erst ermöglichten. Als idealer Besiedelungs- raum bot sich die Geest-Marschgrenze besonders an, weil dort einerseits der Austritt starker Quellen zu verzeichnen ist, anderseits auch die Möglichkeit zum Nahrungserwerb gegeben war (u. a. Fischfang in Geeste und Außenweser, Ackerbau auf den ertragreichen Marschenböden, Jagd in den Wäldern der Geest).
Für das Verständnis der Besiedlungsgeschichte, aber auch für die weitere wirtschaftliche Nutzung eines Raumes sind Erkenntnisse zum geologischen Untergrund somit von oft erheblicher Bedeutung. Die ersten Untersuchungen zum geologischen Untergrund von Bremerhaven wurden nach dem Zweiten Weltkrieg auf Anregung von Herrn Prof. Dr. Ostendorf (Bremerhaven/Stuttgart) durch dessen Schüler M. R Gwinner (Heilbronn/Stuttgart) als Diplom-Kartierung flächenhaft durchgeführt, deren recht moderne Erkenntnisse als geologische Manuskriptkarte heute noch im Morgenstern-Museum Bremerhaven
* Vortrag, gehalten am 7. 6. 2001 auf der Tagung der Arbeitgemeinschaft Nordwestdeutscher Geologen in Bremerhaven.
1 A. Schmidt, Die natürliche Gliederung der Stadt Bremen. - In: Schulwirklichkeit und Erziehungswissenschaft (20 Jahre Pädagogische Hochschule der Freien Hansestadt Bremen), Bremen 1967, S. 178-193; D. Ortlam, Neue Erkenntnisse über den geologischen Untergrund Bremens in ihrer wirtschaftlichen Bedeutung, in: Jahrbuch der Wittheit zu Bremen, 24, 1980, S. 222-237.
2 W. O. Focke, Zur Kenntnis der Bodenverhältnisse im niedersächsischen Schwemmlande, in: Abhandlungen des Naturwissenschaftlichen Vereins Bremen, 4, 1875, S. 297-336.
181