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Band 80 (2001)
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Das Olbers-Denkmal

Planung, Entstehung, Aufstellung 1844-1850 Von Herbert Schwarzwälder

Die Olbers-Statue - ein »lokalpatriotisches Denkmal«?

Bremen war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine denkmalreiche Stadt, vorher aber nicht. Es gab vor 1850 nur den Roland auf dem Marktplatz und das Sühnekreuz für den 1430 hingerichteten Bürgermeister Johann Vasmer vor dem Ostertor (1435). Es ist überraschend, daß zwischen 1435 und 1850 kein weiteres Denkmal aufgestellt wurde, obwohl es doch zahlreiche Anlässe gegeben hätte. Andere Freiplastiken sah man durchaus in der Stadt: Grabsteine und Monumente auf Friedhöfen, Obelisken und Statuen in priva­ten Parks, vor allem aber Brunnenfiguren auf Plätzen und Straßen.

Daß die Denkmallandschaft seit 1850 erheblich bereichert wurde, entsprang dem Bemühen des selbstbewußten Bürgertums, mit den denkmalreichen Fürstenresidenzen gleichzuziehen. An Denkmälern wurden seither in Bremen aufgestellt: Olbers (1850), Gustav Adolf (1855), die Vase am Herdentor mit dem Klosterochsenzug (1856), Ansgar (1865), Theodor Körner (1865), die Emmabank im Bürgerpark (1868), Kriegerdenkmäler (seit 1872) usw.

Beate Mielsch 1 hat versucht, die bremischen Denkmäler einer bestimmten Kategorie zuzuordnen; nach ihr gab es lokalpatriotische Denkmäler, Denk­mäler mit patriotischen Motiven/Kriegerdenkmäler und Obngkeitsdenkmäler. Man mag über die Zuordnung im einzelnen streiten. Die Olbers-Statue wird unter den »lokalpatriotischen Denkmälern« eingeordnet. Hier findet sie sich zusammen mit der Vase am Herdentor, an dessen Klosterochsenzug sich der Lokalpatriotismus kaum erwärmen konnte, mit Gustav Adolf von Schweden, dessen Denkmal von vielen Bremer Lokalpatrioten abgelehnt wurde, und mit Erzbischof Ansgar, dessen Leistungen sich weniger auf den Ort Bremen als auf Skandinavien bezogen und der keinen rechten Platz im Rahmen des bür­gerlich bestimmten Lokalpatriotismus des 19. Jahrhunderts hatte. Der Begriff »Lokalpatriotismus« ist heute negativ besetzt: Er bezeichnet ein über­schwengliches Gefühl für Personen und Ereignisse von lokalem Rang, was dann oft mit einer ungerechtfertigten Überhöhung verbunden ist.

Wer die Festreden, Prologe, Hymnen, Gedichte und Lieder liest, die bei der Einweihung des »Olbersplatzes« 1844 und der Enthüllung des Denkmals 1850 gesprochen und gesungen wurden, dem fällt auf, daß nur wenig über die astronomischen Leistungen des Gefeierten gesagt wird, umso mehr aber

1 Beate Mielsch, Denkmäler, Freiplastiken, Brunnen in Bremen 1800-1945, Bremen 1980.

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