Bremer Bier im Baltikum?
Eine Suche nach Bremer Brauprodukten im Ostseeraum Von Lydia Niehoff
Wenn die baltische Stadt Riga in diesem Jahr ihr 800jähriges Stadtjubiläum feiert, dann weckt die Rückbesinnung auf den Gründungsvorgang die Erinnerung an eine enge historische Verbundenheit mit Bremen. Der Ort an der Düna wurde im Jahre 1201 von dem zum Bischof von Livland geweihten Bremer Domherrn Albert von Bekeshovede 1 angelegt. Die Anfänge der Beziehungen Bremens zum Baltikum reichen noch weiter zurück.
Der Kleriker folgte Kaufleuten und Missionaren, die vor ihm den Weg zu den östlichen Ufern der Ostsee genommen hatten. Die Berichte vom ersten Auftreten der Bremer in dieser Küstenregion seit dem 12. Jahrhundert bilden den Ausgangspunkt der folgenden Betrachtungen. Es war eine Phase der Entdeckungen und Eroberungen, der Markterschließung und der Missionierung. Das Bestreben, den politischen und kirchlichen Einfluß Bremens zu erweitern, deckte sich mit ökonomischen Zielen. Der Aufbau von Handelsbeziehungen diente dem Zweck, Märkte für die Selbsterzeugnisse und Handelsprodukte der Stadt und neue Versorgungsquellen zu erschließen. Bremer Händler gehörten zu den frühen Vermittlern des Warenverkehrs über die Nordsee, in den der Überlandhandel von und nach dem niedersächsischen Umland, Westfalen und dem Rheinland eingebunden war. Die Stadtchronik 2 berichtet vom wirtschaftlich bedeutenden Handel: «... wente ze hedden so grote neringe by der zee myt erem bere, wente men ne wiste by der tyd by der zee van anders nenens bere to seggende, vnde hadden ock altogrote neringe vte Vressch van vetten queke, huden, scapen, kesen, vnde eygeren alto grotes kopes«*. Bremische Kaufleute verdienten am Verkauf von fetten Schweinen, Häuten, Schafen, Käse und Eiern. Eine besondere Stellung nahm das Bremer Bier ein, das weit über die Stadtgrenzen hinaus berühmt war. Mit
1 Auch in der Schreibweise Bekeshoveden oder Bexhövede. Vgl. hierzu Holger Stefan Brünjes, Die Deutschordenskomturei in Bremen. Ein Beitrag zur Geschichte des Ordens in Livland (Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens. Band 53), Marburg 1997.
2 Gert Rinesberch und Herbort Schene, in: Johann Martin Lappenberg, Geschichtsquellen des Erzstifts und der Stadt Bremen, Neudruck der Ausgabe (Bremen 1841) Aalen 1967. Johann Hemeling (t 1428) führte die Chronik von Rinesberch und Schene fort und ergänzte sie an verschiedenen Stellen. Die Angaben zum Bremer Bier werden ihm zugeschrieben, vgl. auch Hermann Meinert (Hrsg.), Die Bremer Chronik von Rinesberch, Schene und Hemeling (Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis 16. Jahrhundert. Band 37), Bremen 1968.
3 Rinesberch und Schene (wie Anm. 2), S. 69.
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