Jahrgang 
Band 79 (2000)
Seite
241
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Schnoor 14 Bremen. Zur Baugeschichte und zu den Bewohnern des Hauses

Von Margrit Christensen

Ein Glücksfall für Bremen, ein Haus im Schnoor wird erforscht, so lautete ein Artikel im Weser-Kurier im Sommer 1999 i . Man weiß, daß nur noch wenige historische Häuser in der Altstadt Bremens erhalten sind. Der Krieg hat die Stadt fast vollständig zerstört. Das Gebiet des Schnoor war als einziges ge­schlossenes Wohngebiet im Zentrum Bremens, wenn auch in sehr schlechtem Zustand, übrig geblieben (Abb. 1). Es wurde hier in der Folge vor allem nur Stadtbildpflege betrieben und zwar mit großem Substanzverlust 2 . Wie Her­bert Schwarzwälder 1970 treffend schrieb wurde aus dem verfallenen Wohn­gebiet ein sehr lebendiges Freilichtmuseum 3 . Vor allem die Fassaden blieben erhalten, auf das authentische Innere wurde leider nur wenig Wert gelegt 4 .

Das Gebäude Schnoor 14 ist das einzige Bremer Altstadthaus, dessen Inneres noch ursprünglich erhalten ist, das Äußere war um 1960 instandgesetzt wor­den. So war es nur verständlich, daß die Denkmalpflege eine Bauforschung für dieses Haus in Auftrag gab 5 . Eine Dokumentation der Konstruktion und der Ausbauteile der Hintergebäude wurde ebenso wie ein verformungsgetreues Aufmaß und eine Analyse des Vorderhauses vorgenommen. Parallel dazu wurden die Quellen zu dem Haus im Staatsarchiv ausgewertet 6 . Leider waren der Seitenflügel und das Quergebäude wegen Baufälligkeit nicht mehr zu halten und mußten 1999 abgebrochen werden.

1 Weser-Kurier vom 27.5.1999. Während der Abrißarbeiten der baufälligen Seiten- und Quergebäude auf dem Grundstück Schnoor 14 wurde in der Presse auf die Bauforschungsarbeiten zu dem Haus hingewiesen.

2 Am 3. Februar 1959 beschloß die Bremer Bürgerschaft zur Rettung des Gebiets das Gesetz, betreffend die Konservierung des Schnoorviertels und der Umgebung der St. Johannis Kirche. In ihm war nicht nur von Erhaltung der Substanz die Rede, son­dern auch von der Größe, Form und Material der zu erwartenden Neubauten.

3 Herbert Schwarzwälder, Bremen im Wandel der Zeiten, Die Altstadt, Bremen 1970.

4 Karl Dillschneider, Schnoor, Neues Leben in Bremens ältestem Stadtteil, Bremen 1978. Dillschneider legte eine Dokumentation über altes und neues Leben im Schnoor vor, mit einer Anzahl typologischer Hausbeschreibungen.

5 Herr Dr. Hahn von der Denkmalpflege setzte sich für eine gründliche Substanz­untersuchung ein, das Büro für Bauforschung Margrit Christensen in Lübeck über­nahm diesen Auftrag. Bei der Bauaufnahme arbeitete Kay Hadamietz mit, die Quellen im Staatsarchiv nahm Olaf Bach auf.

6 Neben den Adressbüchern wurden die Akten des Erbe- und Handfestenamtes, das Lassungsbuch 1800 für die Häuser Schnorr 12-16 und Einzelakten zum Schnoor allgemein aufgenommen.

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