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Band 79 (2000)
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Valentin Wagner. Seine Roland-Darstellung und seine Bremer Ansicht von 1632

Von Holger Th. Graf

Seit 1962, als Friedrich Prüser »eine bisher unbekannte Ansicht der Stadt Bremen aus dem Jahre 1632« vorstellte, ist der Name Valentin Wagners auch an der unteren Weser ein Begriff. 1 Die zuletzt publizierte Sammlung älterer Ansichten der Hansestadt von Herbert Schwarzwälder bespricht zwar diese Vedute, bringt sie aber nicht zum Abdruck. 2 Eine kurze Besprechung dieser Zeichnung scheint jedoch sinnvoll, bevor man sich dem Künstler selbst und schließlich seiner im gleichen Entstehungszusammenhang zu sehenden Ro­land-Darstellung widmet.

Die skizzenhafte Stadtansicht liefert einige interessante Details. Dabei sind der Verlauf der zinnenbekrönten Stadtmauer rechts sowie das Wasserrad links von der Weserbrücke zu nennen. Letzteres erscheint hier bedeutend größer als in den Ansichten Dilichs oder Merians. Ob es sich um eine Holzkonstruk­tion zum Schutz vor Witterungseinflüssen und dem Eisgang auf der Weser handelte - das Bild entstand am 6. Januar - oder schon um einen Vorgänger des mit barockem Zierrat versehenen Überbaus, der von Abbildungen der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts bekannt ist, kann indes nicht entschieden werden. 3 Die beiden genannten, mit der Bremischen Baugeschichte bestens vertrauten Autoren - Prüser und Schwarzwälder - weisen jedoch zurecht auf bestimmte Ungenauigkeiten bzw. Ungereimtheiten der Wagner-Skizze hin: So sind etwa der Dom und die St. Stephani-Kirche seitenverkehrt wiederge­geben. Der rechte östliche Teil der Stadt erscheint relativ ungenau und ver­zeichnet. Dennoch sind sich Prüser und Schwarzwälder bei der Interpretation der Zeichnung nicht immer einig. Während Schwarzwälder meint, dass der Turm der Liebfrauenkirche fehlt, geht Prüser davon aus, dass die Martini-Kir­che vergessen worden ist. Die Rauchfahne, etwa 2 cm rechts des Stephani- Kirchturms ordnet Prüser einer Transiederei zu, die er von dem Gemälde Jür­gen Landwehrs kennt. 4 Schwarzwälder sieht indes in der Rauchfahne »eine

1 Friedrich Prüser, Eine bisher unbekannte Ansicht der Stadt Bremen aus dem Jahre 1632, in: Brem. Jb. 48, 1962, S. VII-IX.

2 Herbert Schwarzwälder, Blick auf Bremen. Ansichten-Vogelschauen - Stadtpläne vom 16.-19. Jahrhundert, Bremen 1985, S. 8, Nr. 26. Die hier angegebene Größe von 76,9 x 9,3 cm stimmt nicht. Das Skizzenbuch, aus dem die doppelseitige An­sicht stammt, misst 13,8 x 10,2 cm, mithin ist die Zeichnung 27,6 x 10,2 cm groß.

3 Vgl. etwa bei Herbert Schwarzwälder, Geschichte der Freien Hansestadt Bremen, Bd. 1, Bremen 1975, S. 446.

4 Vgl. zu Landwehr zuletzt Herbert Schwarzwälder, Bremen, in: Wolfgang Behringer

und Bernd Roeck (Hg.), Das Bild der Stadt in der Neuzeit 1400-1800, München 1999, S. 157-164, hier S. 160 ff. ; vgl. auch die im Bremer Merian-Stich von 1641

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