Aufgeblasen und abgebrannt
Seetonnen und Baken in Quellen der Bremer Handelskammer Von Christina Deggim
Aus der kriegsbedingten Auslagerung kehrte ein Großteil der wertvollsten Bestände aus dem Archiv der Bremer Handelskammer zunächst nicht nach Bremen zurück, sondern wurde in die Sowjetunion gebracht und zum Teil an das Deutsche Zentralarchiv in Potsdam überstellt. Der Bremer Forschung stand er damit jahrzehntelang nicht zur Verfügung, wie u. a. Ruth Prange im Vorwort ihrer Dissertation über die bremische Kaufmannschaft bedauernd bemerkt 1 . Inzwischen sind die Bestände wieder im Archiv der Bremer Handelskammer und wurden im Laufe des vergangenen Jahres mit bewundernswertem Engagement und Tempo ausgepackt, verzeichnet, sortiert, gegebenenfalls neu systematisiert und der Forschung zur Verfügung gestellt. Die Verfasserin erhielt im Rahmen eines Forschungsprojekts des Stader Staatsarchivs zur Erstellung eines sachthematischen Inventars archivalischer Quellen zum Thema Seeverkehr die freundliche Erlaubnis, diese Archivalien bereits parallel zur Einarbeitung als erster Benutzer in Bremen seit dem Zweiten Weltkrieg einsehen zu dürfen 2 .
Da die Bestände der Bremer Handelskammer auch vor dem Krieg kaum bzw. ohne konkrete Quellenangabe benutzt wurden, bietet dieses Archiv für den gesamten Bereich der bremischen Wirtschafts-, Handels- und Schiffahrtsgeschichte »frisches« Material, das zahlreiche Forschungslücken füllen kann und neben der Klärung vieler Einzelfragen ein insgesamt rundes und stimmiges Bild des facettenreichen Aufgabenbereichs der Bremer Kaufmannschaft vermittelt. Bei der Inventarisierung zum Thema Seeverkehr fiel der reichhaltige Quellenbestand zum Tonnen- und Bakenwesen auf. Die Quellen sind in dichter Folge seit Anfang des 16. Jahrhunderts erhalten und vermitteln
1 Ruth Prange, Die bremische Kaufmannschaft des 16. und 17. Jahrhunderts in sozialgeschichtlicher Betrachtung (Veröffentlichungen aus dem Staatsarchiv der Freien Hansestadt Bremen, Band 31) Bremen 1963, S. 7.
2 Nochmals herzlichen Dank an den Archivleiter, Herrn Holger Bischoff, für die hervorragende und vertrauensvolle Zusammenarbeit sowie die Zurverfügungstellung der Abbildungen und großes Lob und Anerkennung für Frau Dr. Lydia Niehoff und ihren Einsatz bei der Einarbeitung der Bestände. Besten Dank auch an das Staatsarchiv, insbesondere Herrn Dr. Hofmeister, der mir das Archiv erschloß. Zum Forschungsprojekt siehe Christina Deggim, Sachthematisches Inventar: »Archivalische Quellen zum Seeverkehr und den damit zusammenhängenden Waren- und Kulturströmen in Norddeutschland vom 16. bis zum 19. Jahrhundert«. Ein von der Volkswagen-Stiftung gefördertes Projekt des niedersächsischen Staatsarchivs in Stade. In: Hansische Geschichtsblätter, 117, 1999, S. 181-185.
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