Jahrgang 
Band 79 (2000)
Seite
29
Einzelbild herunterladen
 

Die Kirche zu Rablinghausen - Gemeindegründung und Kirchenbau im Bremer Niedervieland

Von Konrad Elmshäuser

1. Die Weihe der Rablinghauser Kirche im Mai 1750

Am 7. Mai 1750 war das Dorf Rablinghausen im Niedervieland Schauplatz einer feierlichen Handlung. Einwohner des Ortes und der benachbarten Niedervielander Dörfer Woltmershausen, Strom und Lankenau sowie der Obervielander Ortschaft Neuenland hatten sich am Tage Christi Himmelfahrt zusammengefunden, selbst aus der Stadt Bremen waren Besucher nach Rab­linghausen gekommen. Neben hohen Vertretern der Geistlichkeit hatte auch die bremische Obrigkeit in Gestalt von Bürgermeistern, Ratsherren, Kirchen- visitatoren und Syndici den Weg in das Niedervieland gefunden.

Rablinghausen, das zu jener Zeit vom Landgut bis zur Häuslerkate über kaum 20 Wohnhäuser verfügte, lag in den Wiesen und Weiden hinter dem Weser­deich, von dem es durch die Gemeinheit - die dörfliche Gemeindeweide - ge­trennt wurde. Die Festgesellschaft vom 7. Mai 1750 versammelte sich auf einem Grundstück direkt am Weserdeich, das erst jüngst aus der Gemeinheit ge­schnitten und mit Erdfuhren aufgeschüttet worden war. Auf dem Areal erhob sich nun der Neubau einer Kirche, die weithin sichtbar das Land überragte. Der aus rotem Backstein gemauerte und mit hellen Hausteinen verzierte, ein­fache Saalbau wurde mit einem von Sandsteinplatten belegten Walmdach bedeckt. In der Mitte des Dachs erhob sich ein 9 Meter hoher, kupfergedeck­ter Dachreiter. Der Bau blickte mit seiner Frontseite nicht zu dem hinter ihm liegenden Dorf, sondern weit über den Deich zur Weser. Die neue Kirche war gewiß der Stolz der Anwesenden, obwohl sie schmucklos und einfach gehalten war (Abb. 1). Umso stärker stachen an der weserseitigen Eingangsfront zwei große, aufwendig aus strahlend weißem Sandstein gearbeitete Wappensteine mit sechs Wappen hervor, die von einer Krone überragt wurden. Die Wappen der Bremer Bürgermeister und Kirchenvisitatoren und die Krone waren kreuz­förmig angeordnet, sie signalisierten weithin sichtbar für jedermann, wer in dieser Patronatskirche des Bremer Rats das Sagen hatte 1 .

Ihre Fertigstellung war das Ergebnis mehrjähriger Anstrengungen, die von einigen Bremer Ratsherren vorangetrieben worden waren und die im Verlauf

1 Der 1749 angefertigte Wappenstein zeigt in der oberen Reihe die Wappen der zu jener Zeit im Amt befindlichen vier Bürgermeister, in der unteren Reihe die Wap­pen der beiden Kirchenvisitatoren. S.u. Abb. 8.

29