Straßen der Millionäre
Zur Vermögensverteilung in Bremen im Jahre 1918 Von Günther Rohdenburg
Angaben über die Vermögenssituation der bremischen Bevölkerung sind in der Literatur selten zu finden. Im Standardwerk zur bremischen Geschichte von Herbert Schwarzwälder finden sich lediglich kurze und teilweise pauschale Angaben aus den Zeiträumen 17 0 7 1 , 18 1 8/19, 1826 2 , 184 5, 1863, für das 20. Jahrhundert fehlen entsprechende Angaben überhaupt. Auch die übrige Fachliteratur ist äußerst spärlich, eine umfassendere theoretische Arbeit über den Vermögensschoß datiert aus 1911 3 , eine methodisch fragwürdige Ermittlung der Vermögen aus der Einkommensstatistik aus 1912. 4 Darüber hinaus gibt es nur verstreut wenige Artikel. 5
1 Herbert Schwarzwälder, Geschichte der Freien Hansestadt Bremen, 5 Bde., Bremen 1995. Hier Bd. 1, S. 291: »Das Verhältnis von Schoßzahlern zu Kollektanten war 1707 etwa 1:6, der des Steuerertrags aber umgekehrt 4:1, d.h. daß der einzelne Schoßzahler ein Vielfaches von der Steuer des Kollektanten zahlte, also auch wohl die Vermögensunterschiede beträchtlich waren. Das Durchschnittsvermögen eines Schoßzahlers (es gab 542) kann man für 1707 auf etwa 12.000 Reichstaler (etwa 220 kg Silber) schätzen. Doch ergibt sich aus Testamenten, daß es sehr viel reichere Bürger gab: sie hinterließen bisweilen etwa 50.000 Taler (etwa 900 kg Silber) in gemischter Kapitalform.«
2 »Nach dem Vermögen waren die Bürger in drei große Gruppen eingeteilt: Diejenigen, die über 3000 Reichstaler Vermögen hatten, zahlten Schoß (Vermögensprozente); ihre Zahl betrug 1729 (im Jahre 1826). Mit Familienangehörigen dürften etwa 7.000 Menschen zu diesem Kreis gehört haben. Wer unter 3000 Reichtstaler Vermögen hatte, war zur Abgabe von Kollekten verpflichtet. Es gab 6361 Kollektanten (1826); man muß dieser Schicht mit Familienangehörigen etwa 26.000 Personen zuordnen. ... Die 1729 Schoßzahler leisteten eine neunfach höhere Steuersumme als die 6461 Kollektanten [die Zahlendifferenz von 100 Kollektanten ist im Originaltext vorhanden! G.R.]. Das bedeutete für den einzelnen Schoßzahler, daß er durchschnittlich 18 Reichstaler zahlte und 14.400 Taler Vermögen hatte. Vom Kollektanten wurde durchschnittlich ein halber Taler verlangt; sie hatten ein Durchschnittsvermögen von 400 Reichstalern.« (Ebd., Bd. 2, S. 90.
3 Fritz Waldthausen, Der Bremer Vermögensschoss im Rahmen der direkten Besteuerung Bremens im 19. Jahrhundert. Stuttgart und Berlin 1911.
4 Rudolf Martin, Jahrbuch des Vermögens und Einkommens der Millionäre in den drei Hansastädten (Hamburg, Bremen, Lübeck), Berlin 1912.
5 Unter anderem Friedrich Prüser, »Ick will recht ziesen unde schatten«. Der Schoß, ein Zeugnis bremischen Gemeinsinns. In: Der Schlüssel, Jg. 6 (1941), H. 11/12, S. 220- 222. Weitere Schriften finden sich auch in StAB 2-R.3.G.l.b.
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