Ein erschrecktes Mädchen, eine widerspenstige Braut in Trauer und eine freiheitsliebende junge Frau
Brautwerbung in Bremen um 1800 im Spiegel des Nachlasses von Johann Smidt
Von Monika M. Schulte
»Mein größter Wunsch ist das der Antrag erst um ein Jahr später geschähe da ich jezt zum Heyrathen weder Lust noch Geschicktheit habe.« -»[...] kam mir je etwas unerwartet, so war es gewiß die äusserung welche Sie mir [...] mittheilten, ich wurde gewaltig davon erschüttert [...] wäre es doch nie zu dieser Erklärung gekommen«. - »Ach es war keine angenehme Ueberraschung, kein freundlicher, willkommener Aufruf, im Gegentheil war mir schwer und betrübt zu Muthe, und ich hätte vieles darum gegeben, es ungeschehen zu machen.« 1
Angst, Schrecken und Traurigkeit - das sind die Gefühle dreier Mädchen aus Bremen an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert angesichts von Heiratsanträgen. Wünsche, Erwartungen und Hoffnungen hegte keine anläßlich des Umworbenseins. Schlaglichtartig werden die Konflikte einer das ganze zukünftige Leben bestimmenden Entscheidung sichtbar.
1 StAB 7, 20: Catharina Smidt (1775 - 1827) an ihren Bruder Johann Smidt, 1793 März 14; Henriette de Hase (1769 - 1819) an ihren Cousin Johann Smidt, 1794 Dez.; Metta Roh- de (1780-1867) an ihren Schwager Johann Smidt, 1808 Mai 10. In Grammatik, Orthographie und Interpunktion der zitierten Texte wurde bewußt nicht eingegriffen, wenngleich das Lesen derselben dadurch erschwert wird: Gerade die Eigenwilligkeiten und Unregelmäßigkeiten versprühen einen besonderen Charme. Die in den Schreiben vorkommenden Abkürzungen wurden stillschweigend aufgelöst. Nur bei Eigennamen wurde eine Ausnahme von dieser Regel gemacht: Die fehlenden, zu ergänzenden Buchstaben wurden in eckige Klammern gesetzt. In den Anmerkungen werden folgende Abkürzungen als Namenskürzel verwendet: CS. (Gesche Catharina Castendyk, geb. Smidt); G.C. (Gerhard Castendyk); H.H. (Henriette Catharina Rump, geb. de Hase); H.R. (Heinrich Rump); J.S. (Johann Smidt; werden Johann Smidt und sein Vater gleichen Namens gleichzeitig erwähnt, werden sie unterschieden durch die Zusätze jun. und sen.); J.S.'H. (Johanne Smidt, geb. Holler); M.R. (Metta Gertrud Bekenn, geb. Rohde); S.H.G. (Simon Heinrich Gondela); W.E.W. (Wilhelm Ernst Wichelhausen); WR. (Johanne Wilhelmine Smidt, geb. Rohde); M.M.S. (Monika M. Schulte). Zur Textgattung: Barbara Becker- Cantarino, Leben als Text. Briefe als Ausdrucks- und Verständigungsmittel in der Briefkultur des 18. Jahrhunderts, in: Hiltrud Gnüg u. Renate Möhrmann (Hgg.), Frauen- Literatur-Geschichte. Schreibende Frauen vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Stuttgart 1985, S. 83-103; Reinhard M.G. Nikisch, Die Frau als Briefeschreiberin im Zeitalter der deutschen Aufklärung, in: Wolfenbütteler Studd. zur Aufklärung 3, 1976, S. 29-65.
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