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Band 76 (1997)
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Die bremischen Seezeichendampfer

Von Christian Ostersehlte

1. Einführung in das bremische Schiftahrtszeichenwesen

Im ausgehenden Mittelalter, als die Hanse den Seehandel in Nord- und Ostsee noch beherrschte, begann man sich Gedanken zu machen, wie die lebhafter gewordene Schiffahrt sicherer zu gestalten war. Aber ein so umfassendes Sicherheitsdenken wie heute darf dabei nicht angenommen werden. Erst die rasante Entwicklung der immer komplizierter werdenden Schiffstechnik bildete im vorigen Jahrhundert überhaupt die Voraussetzung für ein umfang­reiches Gesetzeswerk im Rahmen vorbeugender Schiffssicherheit. 1 Das See­notrettungswesen nach unserem heutigen Verständnis konnte erst durch gei­stesgeschichtliche Vorgänge des ausgehenden 18. bzw. des 19. Jahrhunderts entstehen. 2

Wesentlich näherliegend als diese noch im Dunkel der Zukunft liegenden Entwicklungen war für den spätmittelalterlichen Menschen die Notwendig­keit, die Küstenlinien an wichtigen Punkten zur Erleichterung der Navigation zu markieren. Anfänge eines Schiffahrtszeichenwesens, wie z.B. der Bau erster Leuchttürme, können sogar bis in die Antike zurückverfolgt werden. Im Mittelalter wurden sie wieder aufgegriffen und weitergeführt. 3

»Das Seezeichenwesen der einzelnen Städte war zur Zeit seiner ersten Ein­richtung überall recht primitiv. Man begnügte sich anfänglich fast immer mit einigen wenigen Tonnen und Baken bzw. Kapen. Es entwickelte sich ganz all­mählich, entsprechend der auffallend langsamen Ausweitung des Transport­volumens des Seehandels der deutschen Städte, das erst um den Ausgang des 18. bzw. zu Anfang des 19. Jahrhunderts eine entscheidende Vergrößerung erfuhr. Zu Ende des 14. Jahrhunderts betrug die Tragfähigkeit der nicht mehr als etwa 1 000 Einheiten umfassenden deutschen Flotten an Nord- und Ostsee nicht mehr als etwa 60 000 bis 80 000 Tonnen. Die älteste vollständig erhalten gebliebene Zolliste Hamburgs zeigt, daß 1369 lediglich 598 Schiffe - von weni­gen Ausnahmen abgesehen kleine und kleinste Fahrzeuge - von Hamburg ausliefen, ja noch zwischen 1590 und 1630 kam hier die Zahl der einlaufenden

1 Klaus-Peter Kiedel, Uwe Schnall, Lars Uwe Scholl (Hrsg.), Arbeitsplatz Schiff. 100 Jahre See-Berufsgenossenschaft 1887-1987 (Schriften des Deutschen Schiffahrts­museums, Bd. 23), Bremerhaven und Hamburg 1987.

2 Christian Ostersehlte, Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (Schriften des Deutschen Schiffahrtsmuseums, Bd. 26), Bremerhaven und Ham­burg 1990.

3 Bekannt geworden sind z.B. der Pharos von Alexandria (um 280 v. Chr.), der noch heute als Ruine vorhandene römische Leuchtturm innerhalb des Mauerrings des Dover Castle sowie der heute noch erhaltene, aber nicht mehr im Betrieb befind­liche Leuchtturm in Travemünde (1539).

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