Lag im sog. »Bezelin-Grab« wirklich Erzbischof Bezelin?
Zur Identifizierung eines Grabes im Bremer St. Petri Dom Von Ingrid Weibezahn
In den 70er Jahren wurde im Bremer St. Petri Dom aus Anlaß einer grundlegenden Sanierung und Restaurierung des Gebäudes im Vorfeld des Einbaus einer Fußbodenheizung eine archäologische Grabung durchgeführt. Die Freilegung der Erdschichten unterhalb des Fußbodenniveaus sollte vor allem Aufschluß über die Baugeschichte der Vorgängerbauten des heutigen Domes liefern. Als die Mitarbeiter des Bremer Landesarchäologen Dr. Karl Heinz Brandt im November 1973 zum Spaten griffen, ahnten sie nicht, daß sie wenige Wochen später auf Funde stoßen würden, die von der archäologischen Forschung als sensationell bezeichnet werden würden.
Was die Historiker in Deutschland und darüber hinaus in ganz Europa als so herausragend einstuften, war allerdings nicht so sehr die Auffindung beachtlicher baugeschichtlicher Relikte, sondern die Freilegung einer Reihe von mittelalterlichen Bischofsgräbern. Zwar war bekannt, daß man wie in allen alten Kirchen auch im St. Petri Dom jahrhundertelang Bestattungen vorgenommen hatte. Doch war gleichzeitig bereits durch mittelalterliche Geschichtsquellen belegt, daß ein Teil dieser frühen Bestattungen aufgehoben und zu einem - inzwischen längst verschwundenen - Hochgrab vereinigt worden war. Wie groß war die Überraschung, als man in den Gräbern nach sorgfältiger Freilegung nicht nur teilweise weitgehend intakte Skelette, sondern auch noch Reste von gut erhaltenen Bischofsgewändern und zahlreiche hölzerne und metallene Grabbeigaben fand!
Nach Bergung der Gebeine veranlaßte K. H. Brandt eine Auswertung der Funde in anthropologischer, archäologischer und kunsthistorisch-textilge- schichtlicher Hinsicht. Von der in diesem Zusammenhang geplanten Publikationsreihe liegen inzwischen zwei Bände vor, die Untersuchung der Skelettreste und die archäologische Dokumentation 1 . Eine weitere Publikation, die eine textilkundliche Untersuchung der aufgefundenen Gewandteile zum Thema haben wird, ist in Vorbereitung 2 .
Ein zwar nicht gravierendes, aber doch den Kenntnisstand etwas minderndes Problem bei allen Untersuchungen war die Unmöglichkeit, die in den
1 Vgl. Ausgrabungen im St. Petri Dom zu Bremen, hrsg. von Karl Heinz Brandt. Bd. 1: Winfried Henke, Anthropologische Untersuchung der menschlichen Skelettreste. Stuttgart 1985. Bd. 2: Karl Heinz Brandt, Die Gräber des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Stuttgart 1988.
2 Mit der wissenschaftlichen Bearbeitung beauftragt wurde die Historikerin und Textilwissenschaftlerin Dr. Margareta Nockert, Statens Historiska Museum, Stockholm. Gemeinsam mit der Textilrestauratorin Eva Lundwall betreut Margareta Nockert seit 1975 die Konservierung der Bremer Domtextilien.
83