Kaiser und Reich am Bremer Rathaus
Bemerkungen zu den bildlichen Darstellungen von Kaiser und Kurfürsten aus der Sicht der Rechtsgeschichte'
Von Peter Putzer
Das Bremer Rathaus ist schon seit dem frühen 19. Jh. Gegenstand wissenschaftlicher Beschäftigung. Seine Bau- und Ausstattungsgeschichte kann als im wesentlichen erschlossen gelten. 1
Mit grundsätzlich neuen und sensationellen Erkenntnissen ist im Hinblick auf das Rathaus in Bremen kaum zu rechnen; die Einlassung darauf wird sich daher eher spezielleren und bisher nicht ausreichend zum Tragen gekommenen Gesichtspunkten zuwenden müssen. 2
Im Schrifttum dominieren neben historischen die kunst- und stilgeschichtlichen Aspekte auffällig. Emil Waldmann ging im ersten Drittel dieses Jahrhunderts in mehreren Untersuchungen 3 auch der Frage nach den Vorbildern der gotischen Rathausfiguren nach, von denen die Gruppe »Kaiser und Reich« -
' Dieser Text ist im Anschluß an den Vortrag über »Kaiser und Reich (Zur Ikonographie der Bremer Rathausfassade)« entstanden, den der Verf. am 25.9.1996 im Klub zu Bremen gehalten hat. Dabei wurden insgesamt 58 Dia gezeigt - fast ausschließlich Farbaufnahmen - die belegen sollten, daß eine sinnvolle Einlassung auf das Thema nicht ohne qualitätsvolles Bildmaterial in Farbe erfolgen kann; dieses ist zu Vergleichszwecken unerläßlich. Für den Bremer Figurenfries fehlt noch eine derartige qualitätsvolle Publikation in Farbe. Es ist bedauerlich, daß auch die jüngst erschienenen Monographien zum Bremer Rathaus nur Bildmaterial in schwarz-weiß verwenden. Den anderen Weg ging man in Überlingen, wo das runde Jubiläum 500 Jahre gotischer Rathaussaal Anlaß für ein überaus qualitätsvoll mit Farbabbildungen ausgestattetes Buch gewesen ist: Der Überlinger Rathaussaal. Ein Kunstwerk aus dem Herbst des Mittelalters, Friedrichshafen 1993.
1 Das Schrifttum zum Bremer Rathaus, die Quellenlage, die Baugeschichte sowie die verschiedenen Bildprogramme und der bisherige Stand ihrer Interpretation sind enthalten bei Stephan Albrecht, Das Bremer Rathaus im Zeichen städtischer Selbstdarstellung vor dem 30-jährigen Krieg (Materialien zur Kunst- und Kulturgeschichte in Nord- und Westdeutschland, Bd. 7), Marburg 1993 und Rolf Gramatzki, Das Rathaus in Bremen. Versuch zu seiner Ikonologie, Bremen 1994.
2 Dieser Aspekt klingt schon deutlich an bei Albrecht, Das Bremer Rathaus (wie Anm. 1), wenn er mehrfach, bereits in der Einleitung, S. 12, methodische Vorbehalte gegenüber bisherigen Interpretationsergebnissen anmeldet. Vor allem fordert er dort die Heranziehung möglichst vieler vergleichbarer Figurenkombinationen. Erst derartige Gegenüberstellungen ermöglichen eine Beurteilung der Gesamtwertigkeit.
3 Angeführt sei die abschließende Monographie Emil Waldmann, Das Rathaus zu Bremen, Deutsche Bauten Bd. 18, Burg b. Magdeburg 1931.
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