St. Michaelis - Zu den Anfängen einer Bremer Vorstadtgemeinde
Von Andreas Röpcke
Der Patron
Michael ist bei uns immer noch ein gebräuchlicher Name. Er wurde im vorigen Jahrhundert als so typisch deutsch empfunden, daß die Figur des »deutschen Michel« entstand, die Karikaturisten bis heute gern verwenden. Dabei ist ihrem Ursprung nach die Michaelsverehrung keineswegs eine deutsche Spezialität. Sie hat sich vor allem von Byzanz aus, wo bereits im 6. Jahrhundert Michaelskirchen zu finden sind, nach Italien, Frankreich und Rußland ausgebreitet und dann auch Deutschland erreicht. Im 9. Jahrhundert entstanden Legenden, die sich an Erscheinungen auf dem apulischen Monte Gargano knüpften und den Ort zu einer bekannten Wallfahrtsstätte machten. Bei der Schlacht gegen die Ungarn auf dem Lechfeld 955 trug das Feldzeichen Michaels Bild und Namen, und deutsche Kaiser und Könige wie Otto III. (983-1002) und Lothar III. (1125 -1137) fanden Michael so wichtig, daß sie sein apulisches Heiligtum aufsuchten 1 . Die Verehrung des Erzengels als Vorkämpfer für die gute Sache stützt sich auf eine Passage in der Offenbarung des Johannes (Kap. 12, 7 ff.):
Und es entbrannte ein Kampf im Himmel: Michael und seine Engel kämpften gegen den Drachen. Und der Drache kämpfte und seine Engel, und sie siegten nicht, und ihre Stätte wurde nicht mehr gefunden im Himmel. Und es wurde hinausgeworfen der große Drache, die alte Schlange, die da heißt: Teufel und Satan, der die ganze Welt verführt, und wurde auf die Erde geworfen, und seine Engel wurden mit ihm dahin geworfen.
In Norddeutschland gibt es außer dem Hamburger Wahrzeichen, dem »Michel«, weitere bedeutende Kirchen, die Michael geweiht wurden, wie z.B. die altehrwürdigen Klosterkirchen in Lüneburg (956, neu geweiht 1055) und Hildesheim (1022, neu geweiht 1033), und die Braunschweiger aus der Zeit Heinrichs des Löwen (1157). Im Bereich des heutigen Niedersachsen und Bremen findet sich Michael insgesamt dreißigmal als mittelalterlicher Kirchenpatron - einmal in Bremens Nachbarschaft, in Neuenkirchen, und schließlich in Bremen selbst 2 . Von 1747 bis ins 19. Jahrhundert diente den Bremer Katholiken die Michaelskapelle neben dem Sitz des kaiserlichen Residenten in der ehemaligen Domdekanei als Gotteshaus.
1 Lexikon d. Mittelalters, Bd. VI, Sp.593ff. Die vollständigen bibliographischen Angaben der im folgenden nur abgekürzt zitierten Werke finden sich im Quellen- und Literaturverzeichnis am Schluß.
2 Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien, S. 185 f.
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