Das Bronzetaufbecken im Bremer St. Petri-Dom 1
Von Silvia Schlegel
1871 erschien im Bremischen Jahrbuch ein Beitrag Hermann Alexander Müllers mit dem Titel: »Der Taufkessel des Doms zu Bremen« - die einzige umfangreichere Untersuchung, die sich bisher des Taufbeckens angenommen hat. Für Müller war es zurecht »nicht allein das älteste, sondern auch das durch seinen Stoff und seine Technik interessanteste« Stück der erhaltenen Domausstattung. 2 Im Rahmen seiner Beschreibung des Bremer Doms und seiner Kunstdenkmale von 1861 versuchte er die erste kunsthistorische Einordnung der Domtaufe und gab eine Materialanalyse in Auftrag. 3 Seitdem sind Fragen zu Ikonographie, Herkunft und zur vergleichenden Einordnung in die Entwicklung der norddeutschen Plastik verschiedentlich aufgegriffen, jedoch nicht umfassend bearbeitet worden.
Innerhalb des mittelalterlichen Kirchenraumes gehörten Taufbecken zu den wichtigsten Ausstattungsgegenständen, und sie bilden als Ort des ersten Sakramentes eine ideale Einheit, um die Abhängigkeit von Liturgie und Bildprogramm zu bestimmen. Außer zu wenigen herausragenden Meisterwerken gibt es dennoch kaum monographische Untersuchungen oder über regionale Typenentwicklungen hinausgehende Gesamtdarstellungen zur Gattung. 4
Das Bremer Taufbecken ist zusammen mit dem wohl zeitgleichen Hildesheimer Werk eines der ältesten von Figuren getragenen Bronzetaufbecken Deutschlands (siehe Abb. 1). Die Datierungsversuche und die Deutung der Löwenreiter, die das Becken tragen, waren im 19. Jahrhundert durch den Vergleich mit dem Krodoaltar bestimmt. Becken und Träger wurden dabei zumeist verschiedenen Epochen zugewiesen. Die erste Erwähnung findet sich 1822 in den »Ansichten der freien Hansestadt Bremen und ihrer Umgebungen« von Adam Storck, der es als »eine alte aus Eisen gegossene Taufe (...), rundum mit vergoldeten Zierrathen« beschrieb. Die Trägerfiguren hielt
1 Dieser Text stellt eine Zusammenfassung der Ergebnisse meiner Magisterarbeit (Bonn, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität 1994) dar.
2 Hermann Alexander Müller, Der Taufkessel des Doms zu Bremen, in: Bremisches Jahrbuch 6, 1871, S. 26-34.
3 H. A. Müller, Der Dom zu Bremen und seine Kunstdenkmale, Bremen 1861.
4 Als Gesamtdarstellungen sind Albert Mündt, Die Erztaufen Norddeutschlands von der Mitte des XIII. bis zur Mitte des XIV. Jahrhunderts, Leipzig 1908 und Georg Pudelko, Romanische Taufsteine, Berlin 1932 Standardwerke, auf die zurückgegriffen werden muß. Methodisch wegweisend sind Bruno Reudenbach, Das Taufbecken des Reiner von Huy in Lüttich, Wiesbaden 1984 oder Stefan Eugen Soltek, Der Freckenhorster Taufstein, Diss. Bonn 1987.
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