»bidde vor uns«
Zu Fürbitte und Totengedenken im mittelalterlichen Bremen' Von Dietrich W. P o e c k
Unde we dit bock leü helft unde gerne leset, de bidde vor uns Herberte Sche- nen und Gert Rinesberch unde dar to vor einen oren vrunt...
Mit dieser Aufforderung zum Gebet für die beiden namentiich genannten Verfasser werden die Leser in der Vorrede der Cronica Bremensis 1 angesprochen. 2 Den Schluß des Prologs bildet dann ein knapper Nachruf auf Gert Rinesberch mit genauer Angabe von dessen Todesdatum. 3 Ein Umstand, der
* Für den Druck bearbeitete Fassung eines am 29. Oktober 1992 vor der Historischen Gesellschaft in Bremen gehaltenen Vortrags.
1 Hermann Meinert, Die Chroniken der niedersächsischen Städte, Bremen (Die Chroniken der deutschen Städte 37) Bremen 1968, S. 1: Dith bock dat hetet Chronica Bremensis. unde umme des menen besten willen so hebbe wy Herbort Sche- ne, Keller to deme dorne unde canonik der kerken sunte Anscharius, und Gert Rinesberch, vicarius to deme dorne, desset bock gedichtet unde schreven und togaddere toghen ut velen anderen croniken und ok ut Privilegien und ute anderen olden boken.
2 Vorher haben die Autoren darauf hingewiesen, daß sie wahrhaftig berichten (also dat in der Wahrheit was) und weiterhin, daß sie wesentlich gekürzt haben (unde scholde wy dat allent hebben geschreven ... des scholde ju vordreten to lesende). Der Aufforderung zum Gebet für die Autoren und den Freund geht die Bitte um Fortführung der Chronik voran: men wy bidden umme God unde des menen besten willen des ganczen stichtes unde der stadt van Bremen alle, de dith bock hebbet unde bewaret, wan eher en bisschup dot is, dat se denne schriven syn levent und ock mede schaden edder vromen, den de stadt van Bremen by des bis- schuppes tiden dan edder nomen heilt; dat is beyde nutte, so mach men sick na deme vromen richten und vor den schaden mer bewaren. Meinert (wie Anm. 1) S. 1. Der Bezug auf das Wohl der Stadt und die Exempelfunktion verweist in den Zusammenhang der >Stadtchroniken<, die für den Rat geführt wurden, vgl. die Untersuchung der Wismarer Chronik des Heinrich von Baisee durch Klaus Wriedt, Geschichtsschreibung in den wendischen Hansestädten, in: Geschichtsschreibung und Geschichtsbewußtsein im späten Mittelalter (Vorträge und Forschungen 31) hrsg. v. Hans Patze, Sigmaringen 1987, S. 401-426, S. 412-415.
3 Meinert (wie Anm. 1) S. lf.: ock schal men weten, dat de sulve her Ghert hadde van enen vlcarize to deme dorne nenen gheliken van enem broddeghen ghehat binnen hundert jaren,- he was godevruchtich, wijs unde mylde unde hadde alle doghede leü; unde hope warliken, sin sele sy by Gode. he starii in deme jare, do men screli dusent veerhundert in deme sosten jare to lutteken vastelavende, unde he hadde ghelevet boven neghentich jare. Zu den Verfassern vgl. die Vorrede Meinerts S. XX f. Dieser Zusatz zur Vorrede ist nur in der einzigen Handschrift der Chronik, die noch dem 15. Jahrhundert entstammt, zu finden, vgl.
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