Johann Heinrich Eggeling (1639-1713): Eltermann, Ratssekretär, Gelehrter und Sammler
Aspekte der Antikenrezeption in Bremen im 17. Jahrhundert * Von Thomas Eismann
Am 19. März des Jahres 1710 gelangte der Frankfurter Zacharias Conrad von Uffenbach auf seiner Reise durch Niedersachsen, Holland und England nach Bremen. Während des bis zum 27. des Monats dauernden Aufenthaltes begutachteten Uffenbach und sein ihn begleitender Bruder eine Reihe bremischer Sehenswürdigkeiten, so das Wasserrad, die Bibliothek des Akademischen Gymnasium Illustre, dessen Anatomie- und Kuriositätenkabinett und den Bleikeller im Dom 1 . Ganz der Tradition einer Gelehrtenreise entsprechend, wurde dieses Besuchsprogramm durch Visiten bei herausragenden Vertretern des bremischen Geisteslebens ergänzt, um deren private Buchsammlungen und Münzkabinette zu begutachten. Ein Anlaufpunkt war hierbei das Haus des Ratssekretärs Heinrich Eggeling. Lassen wir also Uffenbach zu Worte kommen: „[. . .] den 23. Marth Sonntags Nachmittags besuchten wir Herrn Secretarium Eggeling, weil er sonst die ganze Woche wegen seiner vielen Geschäfte keine Zeit hat. Er empfieng uns sehr höflich. Es ist ein gelehrter, guter und artiger Mann, bey siebenzig Jahren, ganz grau, aber doch noch, sonderlich am Verstand, zimlich munter. Von den Antiquitäten, wie auch den Gemälden, ist er gar ein großer Liebhaber und Kenner. Wie er uns dann erstlich unten in ein Zimmer führte, darinnen recht schöne Gemälde, wie auch vornen im Hause, und sonsten überall hiengen. Nachdem wir all- hier eine Zeitlang discuriret, und ein Glas Wein getrunken hatten kamen noch zwey Fremde [. . .] dazu, und er führte uns hinauf in seine Bibliothek [...]" 2
Soweit zunächst Uffenbachs Schilderung, auf die wir verschiedentlich noch zurückgreifen werden. Wer also war dieser Johann Heinrich Eggeling, der als Siebzigjähriger mit noch wachem Verstand geschildert wird? Lassen Sie mich einen biographischen Konspekt entwerfen, an den sich eine Betrachtung der wissenschaftlichen Betätigungsfelder sowie von Eggelings numismatischer Sammeltätigkeit anschließen wird.
* überarbeitete und um Anmerkungen ergänzte Fassung eines Vortrages, gehalten am 4. Juni 1991 vor der Bremer Numismatischen Gesellschaft. Für ihren Beistand habe ich den folgenden Institutionen zu danken: Braunschweig, Herzog-Anton- Ulrich-Museum; Bremen, Archiv der Handelskammer: Bremen, Staatsarchiv; Bremen, Staats- und Universitätsbibliothek; Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek.
1 Vgl. Z. C. von Uffenbach, Merkwürdige Reisen durch Niedersachsen, Holland und Engelland, Zweyter Theil, Ulm 1753, S. 164 ff. Zu Uffenbachs Beschreibung s. H. Schwarzwälder, Geschichte der Freien Hansestadt Bremen, Bd. 1: Bis zur Franzosenzeit (1810), Bremen 1975, S. 443 ff.
2 Uffenbach, Reisen (Anm. 1), S. 195.
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