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Band 70 (1991)
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Die ersten Funde von Nahrungspflanzen aus dem Mittelalter Bremens

Von Karl-Ernst Behre

1. Einleitung

In den beiden letzten Jahrzehnten ist das Interesse der Archäologie an Pro­blemen des Mittelalters in überaus starkem Maße gestiegen, und Ausgrabun­gen in Altstädten zahlreicher Städte Mitteleuropas haben zu einer eigenen Forschungsrichtung, eben der Mittelalterarchäologie, geführt. Man hat er­kannt, daß nicht nur die Baugeschichte der Städte, sondern auch viele Fragen des täglichen Lebens nur anhand von realen Funden geklärt werden können, da die vorhandenen schriftlichen Quellen meist einseitig und oft unvollstän­dig sind.

Zu solchen Fragen gehört auch die Ernährungsweise im Mittelalter, über die wir zwar allgemein unterrichtet sind, bei der es aber erhebliche regionale Unterschiede gibt, sowohl zwischen Nord und Süd als auch ganz kleinräumig und landschaftsbezogen. Hinzu kommt der Gegensatz zwischen städtischer und ländlicher Ernährungsweise, der vor allem mit der stärkeren sozialen Differenzierung in den Städten und deren Anbindung an die großen Ver­kehrswege zusammenhängt. Zum Speisezettel und zu den Ernährungsge­wohnheiten können die Untersuchungen von Pflanzenresten aus den Gra­bungen wichtige neue Erkenntnisse liefern. Ein großer Vorteil bei diesen mittelalterlichen Pflanzenfunden ist ihre meist sehr gute Erhaltung. Sie stam­men oft aus Brunnen und Kloaken, die im Grundwasserbereich liegen und deshalb nicht vergangen sind. Dies steht im Gegensatz zum archäobotani- schen Material vieler Geestgrabungen, wo wegen der guten Durchlüftung nur verkohlte Reste und damit nur ein sehr eingeschränktes Artenspektrum mit dem Schwerpunkt auf Getreide übrig geblieben ist. Dagegen liefern die Feuchtbodengrabungen, wie sie in den vergangenen Jahren in Norddeutsch­land z. B. in den Altstädten von Lübeck, Berlin, Braunschweig und Göttingen durchgeführt wurden, ein reiches botanisches Material mit einem breiten Artenspektrum von Feldfrüchten, Obst und Sammelpflanzen bis hin zu zahl­reichen Wildpflanzenarten.

Erstmals hat man jetzt auch in Bremen auf diese wichtige Fundgruppe ge­achtet. Bei einer Rettungsgrabung Anfang 1989 im Winkel Böttcher- straße/Wachtstraße wurden drei Kloaken aus der ersten Hälfte des 13. Jhdts., dem späten Mittelalter und der Zeit Ende 16. bis 18. Jhdt. von Th. Mo­ritz eingehend untersucht und dem Verfasser das botanische Material zur Be­arbeitung übergeben. Einzelproben aus zwei weiteren Kloaken des späten Mittelalters kamen hinzu. Herrn Th. Moritz danke ich für die sorgfältige Fundbergung und zahlreiche Auskünfte; ferner trugen Frau C. Schulenberg und Frau U. Westermann im technischen Bereich und Frau D. Kucan mit der wissenschaftlichen Fotografie erheblich zum Gelingen der Untersuchung bei. Ihnen allen gilt mein Dank.

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