Maurermeister Johann Knust über den nördlichen Anbau des Rathauses und über die älteste Börse, 1672
Von Herbert Schwarzwälder
Der Nachlaß des bremischen Baumeisters Johann Wetzel (1798—1885)', der sich in Privatbesitz befindet, enthielt eine Mappe unter der Bezeichnung „Bremensien", deren Inhalt nicht mehr vollständig vorhanden ist. Hier sollen nur zwei darin enthaltene Gutachten über wichtige bremische Gebäude vorgestellt werden, weil sie wesentliche Ergänzungen zu einschlägigen Archivakten vermitteln. Sie gelangten kürzlich durch Schenkung von Herrn Götz Bauer, Hannover, an das Staatsarchiv Bremen.
1. Ein undatiertes dreiseitiges Schriftstück unter dem Titel „Von der Silberkammer" (des Rathausanbaus), dazu vier kolorierte Bauzeichnungen: Profil des Alten Gebewtes, Grundriß des Newen Gebewtes, Profil des Alten Gebew- tes und Grundriß des Newen Gebewtes. Die Schrift des Gutachtens entspricht der des gleich zu beschreibenden Gutachtens über die Börse, das auf den 25. Mai 1672 datiert und vom Maurermeister Johann Knust verfaßt ist. Die Akte „Silberkammer" dürfte etwa in der gleichen Zeit entstanden sein und ebenfalls von Knust stammen.
2. Ein vierseitiges Schriftstück unter dem Titel „Von der Böerse", das auf der vierten Seite den alten Vermerk trägt: ,,M[eister] Johans Knustes bericht von der böersen und denn an allen Seiten stehenden Mauren, den 25 ten Maii 1672." Baumeister Wetzel fügte später hinzu: „Dieser Bericht bezieht sich auf die Instandsetzung des über dem neuen Weinkeller belegenen, erhöhten belegten Platz[es], worauf die Kaufleute seit 1645 ihre Börse hielten. Der Platz wurde ,die Beurse' genannt." Der Verfasser des Gutachtens, Johann Knust 2 , stammte aus einer Familie von Maurermeistern, die seit dem Ende des 16. Jahrhunderts in Bremen nachweisbar ist. Johann Knust trat laut Rhederbuch 1665 in die Dienste des Rates und starb 1677.
1. Der Rathausanbau
über das Bremer Rathaus — den gotischen Bau wie auch über die Renaissance-Fassade — ist viel geschrieben worden. Dabei sind einige Einzelfragen offengeblieben. Manches, was als Tatsache hingestellt wurde, war in Wirklichkeit nur vage Vermutung. Dabei überrascht es, daß die Nebengebäude des Rathauses nur wenig beachtet wurden, obwohl sie die eigentlichen Amtsräume enthielten und auch baugeschichtlich nicht ohne Bedeutung waren.
Ursprünglich hatte das Rathaus nur zwei übereinandergelegene Hallen, von denen die obere der Repräsentation, die untere wohl im wesentlichen
1 Brem. Biographie des neunzehnten Jahrhunderts, Bremen 1912, S. 516.
2 Johann Focke, Bremische Werkmeister aus älterer Zeit, Bremen 1890, S. 115.
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