Die Gründung von Stuhr
Eine Siedlungsgründung der Stauferzeit *
Von Adolf E. Hofmeister
1. Die Gründungsurkunden
Am 8. August 1171 gestattete Herzog Heinrich der Löwe in Verden, umgeben von einem Gefolge aus Geistlichen, Edelherren und Ministerialen, dem Friedrich von Mackenstedt, das Bruchland zwischen Brinkum, Mackenstedt und Huchting, das bisher völlig öde war, beliebigen Käufern zum erblichen Besitz nach Holländerrecht zu verkaufen, und zwar von Mackenstedt den Flußlauf der Sture entlang bis zur Ochtum 1 . Etwa zehn Jahre später — die Urkunde trägt kein Datum, ist aber zwischen 1180 und 1183 ausgestellt — gab Erzbi- schof Siegfried von Bremen dem Friedrich von Mackenstedt, seinem Ministerialen, diese Erlaubnis nochmals für dasselbe Gebiet 2 . In beiden Urkunden werden Rechte und Pflichten der Käufer, die das Land offenbar urbar machen und bewohnen sollten, festgelegt, insbesondere ihre Abgaben und ihre Gerichtsverfassung. Beide Urkunden haben sich im Archiv des Klosters Heiligenrode, das ebenfalls von Friedrich von Mackenstedt gestiftet ist, erhalten und sind unzweifelhaft echt 3 .
Die Ortsbeschreibung paßt genau auf das Gebiet von Stuhr (ohne Varrel). Der Ort Stuhr hat also den äußerst seltenen Vorzug, daß seine mittelalter-
* Die erste Fassung dieser Studie wurde für ein Jubiläumsprojekt der Kirchengemeinde Stuhr verfaßt. In der hier erstmals gedruckt vorgelegten, überarbeiteten und ergänzten Form sei sie den beiden Jubilaren dieses Jahrbuchs, Dr. Karl H. Schwebel und Eugen De Porre, zugeeignet, diesem als Wahl-Stuhrer, dem die historische Durchdringung des Raumes besonders am Herzen liegt, jenem als Forscher und Förderer auf dem Gebiet der Siedlungsgeschichte.
1 Bester Druck: Die Urkunden Heinrichs des Löwen, Herzogs von Sachsen und Bayern, bearb. v. K. Jordan, Weimar 1949 (Monumenta Germaniae Historica), Nr. 88. Druck mit Ubersetzung: Urkunden und erzählende Quellen zur deutschen Ostsiedlung im Mittelalter, hrsg. v. H. Heibig u. L. Weinrich, 1. Teil, Darmstadt 1968, Nr. 3; Erich Lemberg, Das Buch von Stuhr, hrsg. v. d. Gemeinde Stuhr, 1966, S. 25 ff.
2 Druck: Hamburgisches Urkundenbuch, hrsg. v. J. M. Lappenberg, Bd. 1, Hamburg 1842, Nr. 260; Hoyer Urkundenbuch, 5. Abt., hrsg. v. W. v. Hodenberg, Hannover 1848, Nr. 2. Inhaltsangabe: Regesten der Erzbischöfe von Bremen, Bd. 1, bearb. v. O. H. May, Hannover 1937 (zitiert: REB I), Nr. 604. — Zur Datierung (zwischen April 1180 und Herbst 1183) ebd.
3 Die Urkunden haben den Zweiten Weltkrieg im StA Hannover unversehrt überstanden, Signatur: Celle Or. 13 Nr. 795 und 796 (Herrn Dr. Poestges danke ich für freundliche Auskünfte). Das Siegel an der ersten Urkunde ist noch erhalten, von der zweiten Urkunde fehlte es schon 1842. Vgl. Abb. 1 und 2.
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