Bremens schwimmende Feuerwehr
Von Christian Ostersehlte
Einführung
Zur vielfältigen Typenpalette der Hafenfahrzeuge gehören auch die Feuerlöschboote In ihrer Größe sind sie unscheinbar 2 , aber durch den oft knallroten Anstrich und die Löschkanonen an Deck (Wenderohre oder Monitore) fallen sie dem aufmerksamen und interessierten Betrachter auf. In die Schlagzeilen der Lokalpresse geraten diese Boote aber nur durch einen besonderen Löscheinsatz oder, auch wenn dies nicht ihre Hauptaufgabe ist, anläßlich des schönen Brauches, neue oder besondere Schiffe mit eindrucksvoll wirkenden Wasserfontänen im Hafen zu begrüßen (vgl. Abb. 9).
Aber im Alltag liegen diese Boote rund um die Uhr in Bereitschaft und werden im Gewirr eines größeren Hafens häufig nicht mehr richtig wahrgenommen. Dabei besitzen diese Wasserfahrzeuge eine interessante Geschichte, die gerade in Bremen beinahe hundert Jahre zurückreicht. Damit dieser Spe- zialschiffstyp im 19. Jahrhundert entstehen konnte, waren organisatorische und technische Voraussetzungen notwendig.
Die moderne Berufsfeuerwehr 3 ist ein Kind der Verwaltungsgeschichte des 19. Jahrhunderts, als sich auch in anderen Bereichen (Polizei etc.) diejenigen Behörden herauskristallisierten, die in etwa noch heute von Wichtigkeit sind.
Aktive Maßnahmen, Feuer zu bekämpfen, kennt man zwar bereits aus der Antike (z. B. Crassus in Rom, 1. Jh. v. Chr.). Aber erst im frühneuzeitlichen Europa erwuchs aus der nachbarschaftlichen Löschhilfe die Brandbekämp-
1 Einzige deutschsprachige Monographie: Klaus P. Hecker, Feuerlöschboote, Hanau 1982. Diese Arbeit bringt zwar eine eindrucksvolle Anzahl an Feuerlöschbooten und -Schleppern etc. der ganzen Welt, jedoch ziemlich ungeordnet, vor allem aber zu unsystematisch und ohne typologische Differenzierungen. Vgl. die aus heutiger Sicht zu milde Rezension des Verf. dieses Aufsatzes in: Das Logbuch 2/1982, S. 71. Systematischer und zuverlässiger informiert über Deutschland Manfred Gihl, Feuerlöschboote — stets alarmbereit, in: Köhlers Flottenkalender 1977, S. 105 ff.
2 Länge in der Regel etwa zwischen 15 und 35 m. In Westeuropa fällt aus dem Rahmen die „Louis Colet" der Marseiller Feuerwehr (Länge ü. A. 49,50 m, 6000 m 3 /h Löschleistung, 1974), Angaben nach Hecker (s. Anm. 1), S. 104 ff. Die UdSSR geht eigene Wege und läßt große seegehende Feuerlöschschiffe bauen, so z. B. die 1987 in Polen entstandene „Vikhr 14" (Länge ü. A. 72,3 m, 2299 t Displacement, 8 Feuerlöschkanonen, Leistung insgesamt 4000 m 3 /h), s. Schiff und Hafen 10/1987, S. 76.
3 über die Geschichte der Feuerwehr: Wolfgang Hornung, Feuerwehrgeschichte. Brandschutz und Löschgerätetechnik von der Antike bis zur Gegenwart, Stuttgart 1981. Als populäres Sachbuch und Einführung weiterhin geeignet Hans Georg Prager, Florian 14: Achter Alarm. Das Buch der Feuerwehr, Herford 1980.
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