Der Obelisk von Höpkens Ruh
Von Otto Fritz
Am kleinen geschlängelten Teich im Oberneulander Park Höpkens Ruh findet sich ein Obelisk, der die Erinnerung an ein über hundert Jahre altes Denkmal wachhält. Für lange Jahre stand dort nämlich ein anderer Obelisk als Monument für vier berühmte Naturforscher. Ältere Abbildungen von etwa der Jahrhundertwende zeigen ihn in einer geringfügig anderen Umgebung als heute: in unmittelbarer Nachbarschaft führte eine inzwischen verschwundene Brücke zur Landnase, auf der sich das Denkmal befand. Auch scheint damals ein Gebüsch den Obelisken umgeben zu haben; vielleicht ist es eine Rosenhecke. Ursprünglich soll sich der Obelisk einmal in einem Rosarium befunden haben. 1 Sowohl von dem die vordere Parkpartie abschließenden Lindendom oder -rondell als auch von der Eichenallee im hinteren Teil des Gartens wurde und wird der Blick des Spaziergängers auf den Obelisken gelenkt 2 . Er muß früher ohne Sockel an die drei Meter hoch gewesen sein 3 , der Sockel hat, nach den Abbildungen zu urteilen, eine Höhe von etwa 160 cm gehabt.
Der Gedenkstein, der sich heute an ungefähr derselben Stelle befindet, ist ein Ersatz für das alte Denkmal, das im Zweiten Weltkrieg durch eine Bombe zerstört wurde. Der jetzt zu besichtigende Obelisk ist bereits kurz nach dem Krieg von einem Friedhof nach Höpkens Ruh gebracht worden. Er hat auf einem nicht mehr identifizierbaren und damals abgeräumten Grab gestanden 4 .
Der neue Obelisk ist wie der alte aus Sandsteinen aufgemauert. Er mißt etwa 210 cm, der Sockel etwa 190 cm. Die Ähnlichkeit der Sockel macht es wahrscheinlich, daß er weitgehend erhalten geblieben ist und daß lediglich der Obelisk ersetzt wurde — allerdings sieht es so aus, als ob die Sockelseiten mit ihren Beschriftungen nicht mehr in dieselbe Richtung weisen wie vor der Wiederherstellung. In die vier Sockelseiten sind 60 mal 65 cm große Platten eingelassen, die jeweils einen lateinischen Spruch tragen. Auf dem ursprünglichen Obelisken befanden sich Medaillontafeln mit den Namen von vier Naturforschern, denen die Sprüche galten. Auf dem Ersatzobelisken fehlten sie bis 1977. Ohne die Namen war aber das gemeinsame Vorkommen der Sprüche an einem Denkmal kaum zu verstehen; deshalb ist das Landesamt für Denkmalpflege mehrfach aufgefordert worden, für die Wie-
1 Staatsarchiv Bremen (StAB) Fam.gesch. Slg. Wilckens, Peter Wilckens 1, 2, S. 108.
2 So etwa schon Friedrich Garbers: Ein Park der Erinnerungen, in: BN, 8.10.1935.
3 Lüder Halenbeck: 50 Ausflüge in die Umgebung von Bremen, Bremen 1893, S. 119.
4 MdL Auskunft des Gartenbauamts Bremen, 9.4.1985; vgl. auch Unterlagen des Landesamts für Denkmalpflege, Höpkens Ruh, Brief des Gartenbauamts v. 10.4.1984.
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