Sankt-Magnus-Verehrung in Bremen im 14. und 15. Jahrhundert
Von Gerhard Schmölze
Für die Sankt-Magnus-Verehrung in Bremen liegen sichere Zeugnisse aus dem 14. und 15. Jahrhundert vor: Wir finden Heilige des Namens Magnus in liturgischen Kalendern aus dieser Zeit. Es gibt ein Kirchen- und ein Kapel- lenpatrozinium im Bremer Umland, drei Altarpatrozinien in Bremen und eine Glocke, die Magnus gewidmet sind. Der Dom St. Petri besaß eine oder mehrere Magnus-Reliquien. Die Frage, welcher heilige Magnus im Einzelfall gemeint ist, läßt sich nur in wenigen Fällen sicher beantworten. Das „Vollständige Heiligen-Lexikon" von Johann Evangelista Stadler 1 nennt 35 Heilige mit dem Namen Magnus. In Bremen wurde im 19. und 20. Jahrhundert ein 36. Heiliger „entdeckt" und sogar zum Namenspatron einer 1967 erbauten Kirche gemacht 2 . Ein weiterer Heiliger mit dem Namen Magnus taucht in der mittelalterlichen friesischen Sondertradition bzw. ihrer Interpretation in der Gegenwart auf 3 . Ein besonderes Problem bildet die mögliche Querverbindung zwischen der Sankt-Magnus-Verehrung und der Sankt-Hülpe- oder Kümmernis-Verehrung.
1. Liturgische Kalender
Die Memorienbücher bieten durch die Angabe des Kalendertages, an dem eines Heiligen gedacht werden soll, die Möglichkeit seiner Identifizierung. Der am 6. September sowohl im Memorienkalender von St. Ansgarii 4 als auch im „Missale secundum ritum ecclesie Bremensis" 5 aufgeführte „St. Magni confessoris" ist zweifelsfrei der am 6. September 772 verstorbene Benediktiner-Mönch Magnus. Er war rätoromanischer oder alemannischer Herkunft. Als Geburtsjahr wird 699 vermutet. Magnus lebte zunächst als Mönch in St. Gallen. Ab 746 missionierte er mit zwei Gefährten, Tozzo und Theodor, im östlichen Allgäu. Bischof Wikterp von Augsburg sandte ihn dann an den oberen Lech. An der Stelle des heutigen Füssen baute sich Magnus eine Zelle, die sich durch großzügige Schenkungen von Pippin dem
1 Bd. IV., Augsburg 2 1875, S. 46-53.
2 Kirche St. Magni im Ortsteil St. Magnus des Ortsamtes Burglesum in Bremen.
3 W. Lüpke: Ostfriesische Volkskunde, Emden 2 1925, S. 292; Menno Smid: Ostfriesische Kirchengeschichte, Pewsum 1974, S. 13; Almuth Salomon: Geschichte des Harlingerlandes bis 1600, Aurich 1965.
4 Staatsarchiv Bremen (StAB), 2 - Z.13.p.3.
5 Johann Rode: Missale secundum ritum ecclesie Bremensis, Straßburg 1511.
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