Entstehung, Status und Verwaltung der amerikanischen Enklave Bremen
Von Andreas Röpcke
1. Die Entstehung der Bremer Enklave 1
Im September 1944 war der Gedanke eines amerikanischen Kontrollgebietes an der Unterweser Sprungstein über den Graben britisch-amerikanischer Meinungsverschiedenheiten über die Besatzungszonen im Nachkriegsdeutschland. Mit der „Bremer Klausel" als Ergänzung zum Londoner Zonenprotokoll konnte eine zwölfmonatige Kontroverse der beiden Westalliierten beendet werden, doch barg der Kompromiß in sich Stoff für neue Differenzen. Um die Hintergründe der amerikanischen Präsenz an der Unterweser deutlich zu machen, ist es erforderlich, diese Auseinandersetzungen hier in groben Zügen darzustellen 2 .
Als Präsident Roosevelt und Premierminister Churchill im August 1943 den unter rein militärischen Gesichtspunkten entwickelten Invasionsplänen OVERLORD und RANKIN ihr Plazet erteilt hatten, war eine schließlich maßgebliche Vorentscheidung über die künftigen Besatzungszonen gefallen, ohne daß sich der amerikanische Präsident dessen bewußt gewesen wäre. Beide Pläne sahen den Einsatz der amerikanischen Verbände auf dem rech-
1 Der nachstehende Beitrag ist erwachsen aus der zeitweise intensiven Beschäftigung des Verf. mit den Akten der amerikanischen Militärregierung in Bremen. Sie enthalten auch den Namen des jungen Bremers Wilhelm Lührs, der sich im Rahmen eines Studentenaustauschprogramms am 24.5.1949 vorstellte; Notiz des Sachbearbeiters nach dem Gespräch: Luehrs darned good, but young (17/147-3/12). Die Akten lagerten im Washington National Records Center, Suitland (Maryland), in Record Group 260 als Teil des Bestandes Office of Military Government for Ger- many (US). Eine bei Durchsicht aller Akten 1977/78 getroffene Auswahl wurde mikroverfilmt und ist in Form von Mikrofiches im StA Bremen benutzbar (16,1/2 Office of Military Government for Bremen), ein vollständiger Satz der Functional Histories der Bremer Militärregierung steht im Original zur Verfügung (zit.: 16,1/2-FHMG), vgl. A. Röpcke, Dienstberichte der Besatzungsmacht, in: Brem. Jb. 57, 1979, S. 289 ff. mit Hinweisen auf weitere Quellen u. Literatur. Aus dem Institut für Zeitgeschichte, München, konnte dank freundlicher Hilfestellung von Christoph Weisz ergänzende Überlieferung von der zentralen Ebene der am. Militärregierung herangezogen werden (zit.: IfZ OMGUS, jetzt auch im StA Bremen unter 16,1/6 greifbar). Wenn nicht anders angemerkt, beziehen sich zitierte Archivaliensignaturen auf das StA Bremen.
2 Dieser Abschnitt fußt, wenn nicht anders angemerkt, auf Tony Sharp, The Wartime Alliance and the Zonal Division of Germany, Oxford 1975, bes. Kap. II—IV.
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