Volume 
Band 66 (1988)
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Zur Geschichte der Fähre VegesackLemwerder

Von Horst Vogel

An der gesamten Unterweser zwischen Bremen und Bremerhaven gibt es abgesehen vom engeren Stadtbereich in Bremen keine Brücken, die die beiden gegenüberliegenden Ufer miteinander verbinden. Der Verkehr über den Fluß wird durch mehrere Fähren ermöglicht, von denen die zwischen Bremen-Vegesack und Lemwerder das größte Verkehrsaufkommen hat. Neben dem Fahrzeugverkehr ist ein starker Personenverkehr, insbesondere zu den Industriebetrieben in Bremen-Nord und Lemwerder, zu bewältigen. Einwohner aus Lemwerder und umliegenden niedersächsischen Orten be­nutzen die Fähre zu Einkäufen in Vegesack oder zur Weiterfahrt mit der Eisenbahn nach Bremen und darüber hinaus.

Die Fährverbindung zwischen Vegesack und Lemwerder soll sehr alt sein. Allerdings ist es fraglich, ob sie sich schon immer an der heutigen Stelle be­fand. Vieles deutet darauf hin, daß sie früher am Fährgrund zu suchen war.

Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Fährbetrieb, der zuletzt von der Stadt Vegesack verpachtet worden war, mit Ruderbooten durchgeführt. Die Verbindung war sehr mangelhaft. Wer über die Weser wollte, rief den Fähr­mann durch ein bestimmtes Zeichen herbei, z. B. durch das Läuten einer Glocke oder das Blasen eines Horns. Große Schwierigkeiten bereitete eine Sandbank, die sich mitten im Fluß befand und erst durch die Unterweserkor­rektion beseitigt wurde. Oft konnten die Fahrgäste nur bis hierher gebracht werden, wo sie dann so lange warten mußten, bis sie von der anderen Seite abgeholt wurden. Im Winter, wenn das Eis nicht hielt, ruhte der Fährver­kehr. Mit Eisbooten versuchte man dann, an das andere Ufer zu gelangen.

Eine wesentliche Verbesserung brachte das Jahr 1889. Nachdem bereits zehn Jahre vorher erstmals über den Einsatz einer Dampffähre diskutiert worden war, gelang es nun, diese Idee in die Tat umzusetzen. Der Vege­sacker Bankier Friedrich Schild ließ bei der Sächsischen Dampfschiffs- und Maschinenbauanstalt in Dresden einen Fährdampfer bauen, der nach seiner Tochter benannt wurde und den NamenFrieda" erhielt, im Volksmund auch in Anspielung auf seinen ErbauerSchildkröte" genannt wurde 1 . Er traf am 27. April 1889 in Vegesack ein 2 . Am 30. April 1889 fand die feier­liche Einweihung statt 3 . DieFrieda" faßte 50 Personen. Pferde, Wagen,

1 Diedrich Steilen, Geschichte der bremischen Hafenstadt Vegesack, Vegesack 1926, S. 75 f.; ders., Fähre LemwerderVegesack, in: Stedinger Bote v. 14.12.1912 (StAB 2 P. 13-235); StAB 6,11-Paket 95: Protokoll der Sitzung des Stadtrats der Stadt Vegesack v. 30.12.1888.

2 Norddeutsche Volkszeitung (NVZ) v. 28.4.1889.

3 NVZ v. 1.5.1889.

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