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Band 66 (1988)
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Die Wettersäule vor dem Bischofstor

Von Harry Schwarzwälder

Es soll in diesem Beitrag an ein Bauwerk erinnert werden, das lange Zeit allen Bremern wohlbekannt war, heute jedoch, dreißig Jahre nach seinem Abbruch, fast vergessen ist. Es war die Wettersäule, die auf dem Wege von Schwachhausen und vom Parkviertel in die Innenstadt am Straßenstern Contrescarpe Richtweg Rembertistraße Fedelhören Kohlhöker­straße in den Wallanlagen mitten auf dem Wege zur Bischofsnadel stand. Sie sollte die Passanten im Vorübergehen über die bestehende Wetterlage informieren und ihnen helfen, sich aus den Veränderungen des Luftdrucks und der Luftfeuchtigkeit rechtzeitig auf einen Witterungsumschwung einzu­stellen. So war schon bald über die erwartete Wetterlage im Büro zu diskutieren.

Ein Konversationslexikon 1 definierte im Jahre 1890 das Wetter als einen durch das Zusammenwirken der verschiedenen meteorologischen Elemente (Luftdruck, Temperatur, atmosphärische Feuchtigkeit, Niederschläge, Bewölkung und vorzugsweise Wind) hervorgebrachten Zustand der Atmo­sphäre, welcher für unsere sinnliche Wahrnehmung sich in angenehmer oder unangenehmer Weise für unser Wohlbefinden in gesunder oder unge­sunder Wirkung bemerklich macht.

Der starke Einfluß des Wetters in allen Bereichen menschlichen Lebens hat schon früh die Beobachtung meteorologischer Phänomene angeregt. Bereits ab 1796 wurden in Bremen einige der Hauptklimaelemente regi­striert, allerdings nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht 2 , und ab 1803 (1803 bis 1813, 1815 bis 1821) zeichnete der Bremer Arzt und Astro­nom Dr. Wilhelm Olbers zuverlässig die Werte für Temperatur und Luft­druck auf, Beobachtungen, die ab 1829 (1829 bis 1870) vom Arzt und Physi- kus Dr. Philipp Cornelius Heineken 3 , vom Apotheker Toel und schließlich in einer durch die Sanitätsbehörde betriebenen meteorologischen Station II. Ordnung ab 1. Januar 1874 fortgesetzt wurden. Diese Tabellen waren sicherlich für die Beurteilung langzeitiger örtlicher Klimaschwankungen von großer Bedeutung, eine Verwertung für die großräumige Wetterkunde oder zur Information der durch meteorologische Erscheinungen betroffe-

1 Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, 16. Bd., Leipzig und Wien 1890, S. 566.

2 D. Bätjer u. H. J. Heinemann, Eineinhalb Jahrhunderte meteorologischer Beobach­tungen in Bremen, Bremen 1980, S. 185 (Abhandlungen des Naturwissenschaftli­chen Vereins Bremen 39).

3 Bremische Biographie des neunzehnten Jahrhunderts, Bremen 1912, S. 210; Gustav Schneider, über das Klima von Bremen, Programm der Realschule in Bremen, 1887; P. Bergholz, Das Klima von Bremen, in: Die freie Hansestadt Bremen und ihre Umgebung, Festgabe Bremen 1890, S. 177; Franz Buchenau, Die freie Hansestadt Bremen und ihr Gebiet, 3. Auflage, Bremen 1900, S. 222.

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