Erzbischof Adalbert von Bremen im Gründerzeitdrama
Von Dieter Hägermann
Angesichts der nicht durchweg geglückten Magister-Adam-Renaissance, die sich mit der jüngst (1987) als Reprint wieder vorgelegten Miesegaes- übersetzung von 1825 verbindet, darf das kulturgeschichtliche Interesse vielleicht auch für die Zentralgestalt der „Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum", nämlich den Erzbischof Adalbert (1043—1073), vertieft werden, dessen ungewöhnlich langer Amtszeit das ganze umfangreiche dritte Buch von Adams Kirchengeschichte gewidmet ist 1 , um so mehr als dieses Thema erlaubt — hoffentlich auch zur Freude der beiden zu ehrenden viri docti des Staatsarchivs —, über den Tellerrand der Mediävistik zu blicken und den Kirchenfürsten im Spiegel eines bremischen Gründerzeitdramas zu sehen. Adalbert 2 , Weggefährte Kaiser Heinrichs III., zeitweise „Patron" dessen gleichnamigen Sohnes 3 , mit dessen Erinnerung sich der famose Patriarchatsplan verbindet, der das „kleine Bremen" {parvula Brema) zum Rom des Nordens erhöhen sollte 4 , galt und gilt zu Recht als der bedeutendste Bremer Erzbischof, den schon Leopold von Ranke in einer berühmten Akademieabhandlung der Berliner Akademie der Wissenschaften von 1854 dergestalt vorstellte: „Adalbert ist eine der glänzendsten und großartigsten Gestalten, die aus dem deutschen Bistum überhaupt hervorgegangen sind, ein Mann in welchem sich die enge Verbindung der bischöflichen Bestrebungen mit dem Kaisertum, die bisher zur inneren Bildung und äußeren Größe der Nation das meiste beigetragen, noch einmal recht eigentlich darstellt." 5 Bereits hier wird zwischen politischer Romantik des Vormärz, gescheiterter „deutscher Revolution" von 1848/49 und Reichsgründung von
1 Ed. B. Schmeidler, MG SS in us. schol. 1917, wieder abgedruckt mit deutscher Übersetzung in der Frhrr.-v.-Stein-Ausgabe Bd. 11 unter dem Titel: Quellen des 9. und 11. Jhs. zur Geschichte der hamburgischen Kirche und des Reiches, von W. Trill- mich, 3. Aufl. Darmstadt 1973, S. 160 ff. Wir zitieren im folgenden nach dieser verbreiteten Ausgabe.
2 Vgl. über ihn zuletzt mit reichhaltigen bibliographischen Angaben die Artikel in der Theol. Realenzyklopädie 1, 1977, S. 407 ff., im Lexikon des Mittelalters 1, 1980, Sp. 97 f., und zuletzt in der Series episcoporum ecclesiae catholicae occiden- talis. Series V. Germania tom. II. Archiepiscopatus Hammaburgensis sive Bremen- sis, coadiuvantibus H. Kluger, E. Pack, R. Grosse curaverunt S. Weinfurter et Engels, 1984, S. 30 ff.
3 Vgl. zuletzt als Uberblick mit weiterführender Literatur für den fraglichen Zeitraum E. Boshof, Die Salier (Urban TB), 1987, S. 92 ff.
4 Vgl. dazu zuletzt H. Fuhrmann, Provincia constat duodecim episcopatibus, in: Studia Gratiana 1 1, 1967, S. 389 ff.
5 Zur Kritik fränkisch-deutscher Reichsannalisten, S. 438.
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