Johanne Kippenberg geb. Koch
(1842 - 1925) Eine biographische Skizze
Von Monika Lentz
„Mich den Leuten zu zeigen, als ob ich Wunder was ausrichte, ist mir stets verhaßt gewesen", so schreibt Johanne Kippenberg in einem Brief im Jahre 1864'. Und begibt man sich auf die Suche, um etwas über ihr Leben zu erfahren, bekommt man den Eindruck, als hätte die Nachwelt ihrer Bescheidenheit Tribut gezollt und deshalb auf eine Darstellung ihres Lebens und Wirkens weitgehend verzichtet. In biographischen Nachschlagewerken fehlt sie, und nur im Rahmen der Geschichte des Kippenberg-Gymnasiums, an dessen Aufbau sie nach ihrer Eheschließung mit August Kippenberg maßgeblich beteiligt war, werden ihre Verdienste und Leistungen mehr oder weniger ausführlich gewürdigt 2 .
Im Staatsarchiv Bremen wird seit 1954 das Archiv der August und Johanne Kippenberg-Familien-Stiftung aufbewahrt 3 . Schon allein mit Hilfe der darin nachgelassenen Erinnerungen, Briefe, Tagebuchauszüge von Johanne Kippenbergs Hand und verschiedener Dokumente entsteht das Bild eines der Arbeit gewidmeten, zielstrebigen Lebens als berufstätige Frau, Mutter und Hausfrau.
Johanne Koch kommt am 9. Februar 1842 in Jever zur Welt. Ihre Mutter Anna Christine und ihr Vater Johann Gerhard sind nach zwei Söhnen glücklich über ein Mädchen. Johanne wird in einen großen Haushalt hineingeboren. Ihr Vater beschäftigt als Tischlermeister mehrere Angestellte, und ihre Mutter betreibt zeitweise eine Nähschule. Die Großeltern leben mit in der Familie, und nach Johannes Geburt kommen noch vier Geschwister dazu.
Johanne Kippenbergs Jugenderinnerungen 4 vermitteln ein harmonisches und geschlossenes Bild der Ehe ihrer Eltern, des Verhältnisses der Eltern zu den Kindern und eines geregelten und doch großzügigen Handwerkerhaushalts Mitte des vorigen Jahrhunderts.
Erste Erfahrungen mit dem „Ernst des Lebens" macht Johanne mit vier Jahren, als sie in eine Spielschule kommt, die sie allerdings mit „größtem
1 StAB 7,12 Kippenberg E III, Brief von Johanne Kippenberg an ihren Mann, 1864.
2 Georg Bessell, 100 Jahre Kippenberg Schule, 1859-1959, Bremen 1959, S. 12 ff. Festschrift zum 125jährigen Jubiläum des Kippenberg-Gymnasiums, Bremen 1984, S. 10 ff.
Hinrich Wulff, Geschichte und Gesicht der bremischen Lehrerschaft, Bremen 1950, S. 140 f.
3 StAB 7,12 Kippenberg, Familie.
4 StAB 7,12 D I 1.
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