Jahrgang 
Band 66 (1988)
Seite
239
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Carl Philipp Cassel und der Ferne Osten

Von Karl H. Schwebel und Sierk F. M. Plantinga

Der an Wechselfällen nicht eben arme Lebensweg des Kapitäns, Kauf­mannsreeders und kaiserlichen Konsuls in Bremen Carl Philipp Cassel ist auf entscheidenden Strecken bisher weitgehend unbekannt geblieben, so daß der Versuch der Aufhellung dieses Dunkels mit Hilfe neuer Quellen­forschungen lohnend erscheint.

Die Ungewißheit beginnt schon bei seiner Geburt. Fest steht nur der Ort: Magdeburg, wo sein Vater, der aus Bremen stammende Philologe Johann Philipp Cassel (17071783), Rektor des reformierten Gymnasiums war, eine Stellung, die er 1749 mit der eines Professors der Philologie am Bremer Päd- agogeum, der Vorstufe des Gymnasium Illustre, vertauschte. Ob der jüngere Cassel aber 1742 oder 1744 geboren wurde, was bei den Berichterstattern umstritten ist, läßt sich heute nicht mehr zweifelsfrei ermitteln, da die Kirchenbücher der deutsch-reformierten Gemeinde Magdeburgs den II. Weltkrieg nicht überstanden haben.

Eine feste Zeitspanne in der Biographie markiert erst der sogenannte Catalogus Promotionis des Bremer Pädagogeums. Danach wurde Carolus Philippus Cassel Ende Oktober 1750 von der Quarta in die Tertia, zwei Jahre später in die Sekunda und im April 1755 in die Prima versetzt. Unter den Promotionen ex Prima ad Lectiones Publicas des Gymnasium Illustre fehlt indessen sein Name, so daß sein Vater, sollte er je die Hoffnung gehegt haben, aus ihm einen Gelehrten heranzubilden, sie damals wohl hat begra­ben müssen'.

Es beginnt nun eine unbekannte Periode von fast zwei Jahrzehnten, in welcher Carl Philipp, derein wilder Junge" gewesen sein soll 2 , wie so mancher junge Bremer, der auf der Schule nicht guttat, sich der christlichen Seefahrt widmete und früher oder später in den Dienst der holländischen Ostindischen Kompanie trat.

Aus ihm kehrte er 1773 als Kapitän nach Bremen zurück und gründete hier 1777 mit dem aus dem pfälzischen Ober-Ingelheim stammenden jungen Kaufmann Johann Adam Traub (17451822, Bremer Bürgereid mit Hand­lungsfreiheit 1777), dem jüngeren Bruder des mit seiner Schwester Char­lotte verheirateten Weinhändlers Johann Andreas Traub, das Handelshaus

1 Dazu StAB 2 ad T.5.a.2.c.3. Da Carl Philipp in d. Abschnitten Sexta u. Quinta noch nicht erscheint, hat er diese beiden Klassen vielleicht schon in Magdeburg besucht, was eher f. d. frühere Geburtsjahr 1742 spricht.

2 Diedrich A. Noltenius, Leben u. Wirken Dr. Wilh. Kulenkampff's u. seiner Schwester Emmy Kulenkampff nebst Erinnerungen an ihre Vorfahren, Bremen 1913, S. 80.

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