Der Wischhof
Zur Geschichte des letzten Pagentorner Bauernhofes Von Hanna Lampe
Der Hastedter Bauernsohn Harm Lampe 1 , 1660 geboren und am 30. Dezember in St. Remberti getauft, war der mittlere von den drei Söhnen seines 1670 verstorbenen Vaters Henrich. Er konnte also nicht damit rechnen, die väterliche Stelle zu übernehmen, die ja seinem ältesten Bruder als Anerben zukam. Da nun auch seine Mutter, Gretke Hagens, als Witwe schon bald eine zweite Ehe mit Arend Seekamp geschlossen hatte, der nun als Interimswirt das Regiment auf dem Hof führte, wird für Harm der Gedanke auszuheiraten nahegelegen haben. So nahm er um 1691 Mar- gretha Gebhardts zur Frau, die Tochter des Wirts vom „Neuen Sandkrug" am Hulsberg, Mathias Gebhardt.
Dieser Gebhardt stammte aus Hamburg, war am 4. September 1655 Altstadtbürger in Bremen geworden und hatte den „Neuen Sandkrug" wohl schon bald übernommen, vielleicht gar begründet, denn schon 1664 ließ er in St. Remberti seine älteste und am 17. März 1668 die Tochter Margretha taufen. Bei den angegebenen Namen der Gevattern des Kindes fällt auf, daß es Namen von Frauen aus damals in Bremen führenden Familien sind, wie Formanoir, Lullmann, von Büren und Esich. Dazu lassen sich, etwa von der Mutter des Kindes ausgehend, keine Schlüsse ziehen, denn diese ist nur mit ihrem Vornamen, Hille, genannt.
Der Name „Neuer Sandkrug" entstand im Gegensatz zu einem anderen Wirtshaus, dem „Sandkrug", das „außerm Steinturm" lag, da, wo heute die Friesenstraße abzweigt, und wohl ein erfolgreicher Betrieb war, so daß Gebhardt Wert auf gerade diesen Namen legte. Sein Wirtshaus spielte in den Spannungen zwischen der Großmacht Schweden und der Stadt im Jahre 1664 insofern eine gewisse Rolle, als die schwedische Regierung in ihrer Verpflichtung, zur Reichssteuer des Türkenschatzes beizutragen, versuchte, auf Grund ihrer Grenzfindungen auch von den Bewohnern der östlichen Vorstadt die Kopfschatzsteuer zu erheben. Sie befahl den Bewohnern der Vorstadt, am 3. März 1664 mittags um 2 Uhr sich vor Unss in das nahe vor Hastedt neu erbaute Wirtshaus, welches Mathias Gebhardt bewonet, ohnausbleiblich einzustellen und die Kopfsteuer zu erlegen 2 . Es erschien
1 Die Verf. hat sich mit dem Thema bereits beschäftigt im Rahmen ihres Aufsatzes Die Pagentorner Bauerschaft, in: Brem. Jb. 42, 1947, S. 97-153, hier bes. S. 125 ff. 1987 aus der DDR zurückgekehrte Bremer Archivalien ermöglichen nunmehr eine Abrundung des Bildes. — Die Hofpapiere Wischhof befinden sich ebenso wie die Bildvorlagen im Besitz der Verf., die — 90jährig u. ohne direkte Nachkommen — den Wischhof heute bewohnt (Anm. d. Red.).
2 StA Stade Rep. 5a, Fach 190, Nr. 2.
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