Jahrgang 
Band 66 (1988)
Seite
59
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Der Meister der Bücker Altarfiguren

Von Jürgen Wittstock

Zu den zahlreichen Werken der mittelalterlichen Kunst in Nordwest­deutschland, die im Schatten der kunstgeschichtlichen Forschung stehen, gehört der mächtige Altarschrein in der Stiftskirche von Bücken (Abb. 1), nahe der ehemaligen Residenz Hoya, rund 50 Kilometer südöstlich der Han­sestadt Bremen'.

Mit einer Höhe von rund 6 Metern und einer Breite von 5'/2 Metern ge­hört er zu den größten in Norddeutschland, ein Triptychon, bestehend aus einem Mittelteil und zwei beweglichen Flügeln. Vom üblichen Schema sol­cher Flügelaltäre unterscheidet er sich durch seinen gestaffelten Aufbau, der Mitte und Außenseiten des Altarwerks betont.

Die Innenseiten der Flügel sind in jeweils sieben mit Maß- und Ranken­werk verzierte Nischen unterteilt. In diese Nischen sind die Figuren der zwölf Apostel eingestellt. In den beiden seitlichen Aufsätzen sind links die Statuette der hl. Katharina und rechts die Figur der hl. Barbara zu sehen. Im Gesprenge über dem Gehäuse erscheint Maria mit dem Christus­kind, doch muß die Originalität von Gesprenge und Madonnenfigur in Frage gestellt werden, sie könnten auch Bereicherungen des 19. Jahrhunderts sein 2 .

Im Mittelteil (Abb. 2) stehen in den beiden seitlichen Nischen zwei monu­mentale Bischofsfiguren; sicherlich handelt es sich um die beiden Schutzhei­ligen der Kirche, die Bischöfe Nikolaus und Maternian, während in das erhöhte Mittelfeld ein Relief eingelassen ist, das die Kreuztragung und den Kreuzestod Christi in einer simultanen, sich über zwei Ebenen erstrecken­den Darstellung wiedergibt. In das Zierwerk um die Nischen des Mittelteils sind kleine Statuetten der vier Evangelisten eingestellt. Sie gehören dem frü-

1 Angeregt durch das Interesse des Pastors Dietrich Studer in Bücken hat mich der Hochaltarschrein in Bücken seit 1979 beschäftigt.

1982, anläßlich der Vortragsfolge zur 1 100-Jahrfeier der Gründung des Stiftes Bücken, hatte ich erstmals Gelegenheit, über die kunstgeschichlichen Probleme des Altarschreins zu sprechen. Nach weiteren Untersuchungen, Überlegungen u. Diskussionen habe ich 1985 vor dem Verein für Lübeckische Geschichte u. Alter­tumskunde u. 1986 vor dem Evangelischen Arbeitskreis für kulturelle Fragen in Bremen das Altarwerk vorgestellt. Der vorliegende Beitrag schließt sich an diese Vorträge an.

2 Eine gründliche Restaurierung erfolgte im Zusammenhang mit der Wiederherstel­lung der Stiftskirche durch den Architekten Adelbert Hotzen in den Jahren 18631868. Dieser Restaurierung ist die gesamte Fassung des Schreins zu ver­danken. Wie weit auch die Schnitzarbeit ergänzt wurde, ist schwer abzuschätzen; bei der letzten, 1971 durchgeführten Restaurierung wurden entsprechende Unter­suchungen nicht durchgeführt.

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