Die Heilige Corona und ihre mittelalterlichen Darstellungen in Bremen
Von Alfred Lohr
Wente de mure, de dar geyt umme dat oster kor, de is vul hillichdomes, wente ut der suder syden dar sint vorheven de hilgen mertelere lichame Cosme und Damiani unde dar is noch ynne de gantze licham der hilgen junc- frouwen sunte Coronen . . .
So berichtet Johann Hemeling um 1420 in seinem für die Verhältnisse im mittelalterlichen Bremer Dom so aufschlußreichen Diplomatarium 1 von einem ihm offensichtlich besonders wichtigen Heiligengrab in dieser Kathedrale.
Nun gehört die Hl. Corona nicht zu den bekannteren und allerorten verbreiteten Heiligen des Mittelalters. Die hagiographischen Handbücher 2 widmen ihr durchweg nur wenige Zeilen, die ikonographischen Nachschlagewerke 3 führen sie auf, ohne ihr Vorkommen in Bremen überhaupt zu registrieren. Eine Handvoll volkskundlicher Aufsätze bezieht sich auf ein von der Forschung wiederholt beachtetes Aufblühen des Coronakul- tes in nachmittelalterlicher Zeit im Donauraum zwischen Wien und Niederbayern 4 .
So muß es erstaunen, daß die Heilige Corona mehrfach auf erhaltenen Werken der bremischen Bildkunst des Mittelalters erscheint. Jedenfalls verwundert es nicht, daß diese Darstellungen so lange ohne zutreffende ikono- graphische Deutung blieben.
Die Verehrung der Hl. Corona steht in enger Verbindung mit der des Hl. Victor. Am 14. Mai feiert die Kirche das Fest der beiden Heiligen 5 . Corona
1 Johann Hemeling, Diplomatarium fabricae ecclesiae bremensis, Herzog-August- Bibliothek Wolfenbüttel, Cod. Gud. lat. 142, fol. 81 bis 89. - Eine Abschrift befindet sich im StAB 2-ad T.3.a. 1. — Eine Publikation durch Lieselotte Klink ist in Vorbereitung.
2 Bei Edgar Hennecke / Hans-Walter Krumwiede, Die mittelalterlichen Kirchen- patrozinien in Niedersachsen, Göttingen 1960, findet sich nur eine einzige, und zwar bremische Nennung. Vgl. auch Lit. Anm. 6.
3 Lexikon der Christlichen Ikonographie, Freiburg 1969 ff., Bd. 2, Sp. 438; Hiltgart L. Keller, Reclams Lexikon der Heiligen, Stuttgart 1986, S. 183.
4 Bartholomäus Spirkner, Zum Corona-Kult, Bauernheilige und Patronin der Schatzgräber, in: Volk und Volkstum (= Jahrbuch für Volkskunde), Bd. 3, 1938, S. 300—313; Leopold Schmidt, Zur Verehrung der hl. Corona in Bayern und Österreich, in: Bayer. Jb. für Volkskunde 1951, S. 69—79; A. Bauer, Zur Verehrung der Hl. Corona in Oberbayern, ebd. 1956, S. 64-69; Bächthold-Stäubli, Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, II, S. 106.
5 H. Grotefend, Die Zeitrechnung des deutschen Mittelalters, Bd. 2.2, 1898, S. 182 verzeichnet nur wenige mitteleuropäische Diözesen, in deren Festkalender Victor und Corona erscheinen: Bremen, Krakau, Lüttich, Metz, Verdun, Beauvais, Rouen, Mailand.
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