Anmerkungen zu zwei Bischofsstäben aus Grab Nr. 18 und 19 im Bremer Dom
Von Wilhelm Tacke
Im „Bremischen Jahrbuch" 1978 beschäftigt sich Professor Herbert Schwarzwälder mit dem Bischofsstab des Grabes Nr. 18 im Bremer Dom, und er untersucht diesen Fund „im Rahmen der Limousiner Krummstäbe mit der Verkündigungsdarstellung". 1 Er verweist in diesem Zusammenhang zu Recht darauf, daß dieser Krummstab kein „einmaliges Kunstwerk" ist. Vielmehr kann er auf Grund einer Veröffentlichung von J. J. Marquet de Vasse- lot drei Typen dieses Bischofsstabes nachweisen und von denen zusammen wiederum insgesamt 39 Exemplare.
Der Verfasser dieser Miszelle hat nun auf seinen Reisen noch ein paar weitere Exemplare dieser Art Krümme entdeckt, und davon möchte er hier Kenntnis geben. So befindet sich ein Krummstab des Typs 2 in der berühmten Eremitage in Leningrad. Es handelt sich bei diesem Ausstellungsobjekt um den Typ, den Schwarzwälder so charakterisiert: „Der Engel, der einen Botenstab trägt, steht Maria gegenüber, die ein Buch in der Hand hält. Hinter ihr befindet sich ein Stuhl mit hoher Lehne." Dieser Stab trägt in der Eremitage die Inventarnummer Phi 2998. Als Datierung wird angegeben „um 1270", Herkunft: „Limoges", Höhe: 0,32 m, und weiter heißt es: „Erworben 1924 aus dem Stieglitz-Museum". Ein ganzseitiges Bild des Stabes befindet sich in dem 1971 im Iskusstwo-Verlag Moskau herausgegebenen Bildband von A. E. Lapkowskaya: „Angewandte Kunst des Mittelalters in der Staatlichen Eremitage" (Abb. 1).
In einer Fußnote zur deutschen Zusammenfassung des russischen Textes erfährt man etwas über Stieglitz: Alexander Stieglitz war der Geschäftsführer der Staatsbank und Sohn des Hofbankiers Ludwig Stieglitz (1777— 1842), dem der Titel Baron des Russischen Reiches zuerkannt wurde. Weiter heißt es im Text: „Eine der größten Kunstsammlungen, die der Eremitage eingegliedert wurden, war das Museum des Baron Stieglitz. Alexander von Stieglitz verdankt seine Berühmtheit der Begründung der sogenannten zentralen Schule für technisches Zeichnen und des zu ihr gehörenden Museums. Dieses Museum beherbergte wertvolle Erzeugnisse des Kunstgewerbes — eine reiche Sammlung von Teppichen und Keramik, Glas, Bronze, Gold- und Silbergegenständen. Das Baron-Stieglitz-Museum wurde dank einer Reihe von Ankäufen, größtenteils im Ausland, sowie dem Erwerb der
1 Herbert Schwarzwälder, Der Bischofsstab des Grabes Nr. 18 im Bremer Dom im Rahmen der Limousiner Krummstäbe mit Verkündigungsdarstellungen, in: Brem. Jb., Bd. 56, 1978, S. 205-215.
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