Jahrgang 
Band 63 (1985)
Seite
33
Einzelbild herunterladen
 

Bemalte Holzdecken in der Stadt und im ehemaligen Erzstif t/Herzogtum

Bremen

Versuch einer typologischen und ikonographischen Bestandsaufnahme

Von Rolf Gramatzki

Die Freilegung einer Reihe von Deckenmalereien in Bremen und seiner näheren Umgebung aus fast drei Jahrhunderten seit etwa 1500 haben den Blick auf diesen bis dahin wenig beachteten Bereich gelenkt. Die bisher be­kannten Beispiele wurden in der Hauptsache als Raumschmuck mit rein dekorativem Charakter verstanden und haben deshalb, von wenigen Aus­nahmen abgesehen, nur geringes Interesse gefunden. Die Neuentdeckungen der letzten Jahre und die Hinwendung zurIkonologie des Ornaments und der Dekoration" 1 in der Kunstgeschichte andererseits legten eine Beschäfti­gung mit dem Thema nahe. Eine erste Auseinandersetzung damit unter­nahm für den norddeutschen Raum Elisabeth Anton 2 im Bereich der prote­stantischen Kirchenausgestaltung.

An dieser Stelle sollen nur bemalte Holzdecken mit sichtbaren Balken und den dazwischen liegenden Feldern behandelt werden, während andere Deckenkonstruktionen und ihre farbige oder plastische Gestaltung unbe­rücksichtigt bleiben 3 . Damit haben die besprochenen Deckenmalereien nicht nur vergleichbare Grundformen schmale vorspringende Balken wechseln mit zurückliegenden breiteren Flächen und gleiches Material des Mal­grundes, sondern sie sind auch von der Technik her oft Leim- oder Temperamalerei 4 vergleichbar.

Deckenmalereien dieser Art finden sich in Sälen von Rathäusern und Adelssitzen wie auch in repräsentativen Räumen von Bürgerhäusern und natürlich in Kirchen. Konstruktion, Material und die relativ einfache Mal­technik machten diese Art der Raumgestaltung vor allem für kleine Dorf­kirchen attraktiv, während größere Kirchenbauten meist gewölbt waren. Allerdings sind im 16. Jahrhundert auf Grund der Kirchenspaltung im be­schriebenen Gebiet kaum Kirchen(neu)bauten zu finden.

1 Vgl. z. B. Günter Bandmann, Ikonologie des Ornaments und der Dekoration, in: Jb. f. Ästh. u. allg. Kunstwiss., Bd. 4, Köln 1958/59.

2 Elisabeth Anton, Studien zur Wand- und Deckenmalerei in protestantischen Kirchen Norddeutschlands, Diss. München 1977.

3 Otto Gruber, Decke (in der Architektur), in: Reallexikon Deutscher Kunst (RDK), Bd. 3, Stuttgart 1954.

4 Ebd., Sp. 1147.

33