Die Versenkung des Lloydfrachters „Göttingen" am 23. Februar 1945
Von Christian Ostersehlte
Die „Göttingen" wurde 1944 bei den Lübecker Flenderwerken (Bau- Nr. 345) erbaut. Das Schiff war 6267 BRT bzw. 3661 NRT groß und hatte eine Tragfähigkeit von 9810 tdw. Die Länge über alles betrug 136,12 m, die Länge zwischen den Loten 134,00 m, die größte Breite 18,47 m und der Tiefgang 7,693 m. Eine Dampfmaschine (wahrscheinlich Doppelverbundmaschine) mit Abdampfturbine, die von der Waggon- und Maschinenbau AG (WUMAG) in Görlitz hergestellt worden war, leistete 4000 PS, die auf eine Schraube wirkten, wodurch der Dampfer 13 Knoten lief 1 .
Die „Göttingen" hatte noch zwei Schwesterschiffe, die „Sachsenwald", die spätere sowjetische „Dmitri Pozharski", und die „Schwarzwald", die spätere „Rotenfels" der Deutschen Dampfschifffahrts-Gesellschaft „Hansa", Bremen. Beide Schiffe ließ die Hamburg-Amerika-Linie (Hapag) bei der Flenderwerft 1945 erbauen 2 . Sehr ähnlich waren außerdem noch die „Ganges" der Hamburger Reederei Friedrich A. Detjen (1948 bei Flender erbaut) 3 sowie die „Argenfels" und „Greiffenfeis" (beide 1944 in Holland erbaut) der DDG „Hansa", Bremen 4 .
Wann die „Göttingen", zweites Schiff ihres Namens 5 im Dienst des Norddeutschen Lloyd, bestellt wurde, ist unklar. Sicher ist nur, daß sie bei Kriegsausbruch noch nicht in Auftrag gegeben worden war 6 . Angeblich soll sie aber doch Bestandteil des „Fertigbauprogramms" gewesen sein, das die durch Marineaufträge verzögerte Fertigstellung der im Zeitraum von 1938 bis 1940 bestellten Neubauten vorsah 7 . Ohne Zweifel gehörte die „Göt-
1 Schreiben der Bauwerft an den Verf., 25. 2. 1983, sowie Amtsgericht Bremen, Schiffsregister SSR 3024.
2 Arnold Kludas und Herbert Bischoff: Die Schiffe der Hamburg-Amerika-Linie, Bd. 3: 1927—1970, Herford 1981, S. 50, 136.
3 Karl-Heinz Schwadtke: Deutschlands Handelsflotte, Berlin 1957, S. 14.
4 Leonard Gray und R. Popper: Deutsche Dampfschifffahrts-Gesellschaft „Hansa", 85 years of shipping under the Maltese cross, Kendal 1967, S. 56, 57, sowie Hans Georg Prager: DDG „Hansa". Vom Liniendienst bis zur Spezialschiffahrt, Herford 1976, S. 104, 111—112.
5 Georg Bessell: Norddeutscher Lloyd 1857—1957. Geschichte einer bremischen Reederei, Bremen 1957, S. 226.
6 Reinhart Schmelzkopf: Die deutsche Handelsschiffahrt 1919—1939, Bd. 2, Oldenburg 1975.
7 Hans-Jürgen Witthöft: Lexikon zur deutschen Marinegeschichte, Bd. 1, Herford 1977, S. 121, sowie ders.: Hapag-Lloyd. Uber ein Jahrhundert weltweite deutsche Seeschiffahrt im Bild, Herford 1974, S. 117.
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