Jahrgang 
Band 62 (1984)
Seite
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Moorleichen und Haaropfer aus Mooren in Bremen und Bremerhaven

Von Alfred Dieck

1. Das Moor alsUrkundenbuch" der Kulturgeschichte

Eine große Lücke in unserer Kenntnis von der Kultur der letzten zehn­tausend Jahre würde bestehen, wenn nicht die Moore dank ihrer biologi­schen und chemischen Eigenschaften manches erhalten hätten, was im was­serdurchlässigen Sand, im Löß oder in anderen Bodenarten dem natürlichen Vergehen anheimfällt.

Im Moor finden sich neben naturkundlich bedeutungsvollen Materialien in reicher Fülle kulturgeschichtlich bemerkenswerte Funde der verschieden­sten Art 1 . Teils handelt es sich um Siegestrophäen aus Kriegen, die einst für die Kriegsgötter dankbar niedergelegt wurden. Teils kommen oder kamen huldreichen Gottheiten dargebrachte Opfergaben des Friedens aus dem Moor wieder ans Tageslicht, nachdem sie dort Jahrtausende unberührt lagen. Da finden bzw. fanden Torfgräber und Archäologen unter vielem an­derem: Kultgegenstände (z. B. Holzfiguren), Musikinstrumente, Schmuck, Webgeräte, Wagenteile, Pflüge, abgeschnittene Zöpfe aus langen oder kürzeren Haaren, Feuerzeuge der verschiedensten Konstruktionen, Blumen­gaben, Butter, Gefäße mit oder ohne Inhalt 2 . Aus dem näheren Bereich des Landes Bremen wurden unter dies'en Funden besonders bekannt der jung­steinzeitliche Feuersteindolch mit verzierter Lederscheide von Wiepenkaten

1 Vgl. A. Dieck, Das Moor als Geschiohtsquelle, in: Bericht über den 8. Inter­nationalen Kongreß für Universelle Moor- und Torfforschung vom 5.10. 10. 1962 in Bremen, Linz/D. 1964, p. 98100 (ohne Anmerkungen gedruckt). A. Dieck, Sinn und Erfolge archäologischer Moorforschung Aim and Succes- ses of Peatland Ardiaeology, in: TELMA, 7, Hannover 1977, p. 2737. H. Hayen, Moore als Geschichtsquelle. Möglichkeiten und Forderungen der Moor­archäologie, in: Verhh. dt. Beauftragter für Naturschutz und Landschaftspflege, Bd. 18 (1971 [?], mir liegt nur ein Sonderdruck vor). Vgl. des weiteren die einschlägigen Aufsätze und Bibliographien in den archäologischen und moor- kundlichen Fachzeitschriften aus den verschiedensten Ländern Europas.

2 Vgl. zum Problem der Gefäße in Mooren: A. Dieck, Zur Geschichte der Brenntorf­gewinnung in Mitteleuropa von der Jungsteinzeit bis zum Mittelalter mit einem Beitrag zur Verbreitung der Rudernadeln, in: Archäolog. Korrespondenzblatt, 13, Mainz 1983, p. 319333, und A. Dieck, Jungsteinzeitliche bis mittelalterliche Brenntorfgewinnung. Materialien und Deutungsversuche. Fuel-Peat Digging from the Neolithic Period to the Middle Ages. Material and Interpretation Attemps, in: TELMA, 13, Hannover 1983, p. 99126. Hier finden auch Funde im Moor bei Dannenberg (Kr. Osterholz) Erwähnung.

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